Fußball WM 2014 Brasilien
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Anmerkungen, Analysen, Kommentare zur Fußball WM

Autor, Copyright: Herbert Steffny, ab 2.7.2014

Sie dürfen gerne hierhin verlinken und unter verlinkter Quellenangabe hieraus zitieren



Die Laufleistungen der WM-Fußballer

von Herbert Steffny, 25.8.2014

(gekürzte Fassung im Laufmagazin SPIRIDON 9/2014)


Deutsche laufen nur auf den ersten Blick viel

Es war im Finale in der Verlängerung ein knappes 1:0 zugunsten Deutschlands gegen Argentinien. Beim Vergleich der Laufleistungen nach den FIFA Statistiken kommt man zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Deutschen liefen im Vergleich zu den Argentiniern über das ganze Turnier im Durchschnitt pro Spiel 120,9 zu 117,4 Kilometer. Im Finale hatten die Deutschen dann  offenbar deutlich mehr Reserven. Während die Gauchos nur auf 102,8 Kilometer kamen, rannten Müller und Co. mit 112,1 Kilometern also rund 10 Prozent mehr. Bemerkenswert: die Deutschen liefen davon das meiste, rund 62,5 Kilometer mit dem Ball, die Argentinier dagegen überwiegend, nämlich 60,2 Kilometer ohne Ballbesitz.

Thomas Müller wird von der FIFA mit exakt 83,957 Kilometern als der Spieler mit der größten Laufleistung über das gesamte Turnier ausgelobt (siehe Tabelle 1). Vier Deutsche Fußballer unter den Top-Fünf! Hinter Müller folgen Kroos, Lahm und Höwedes. Dazwischen platzierte sich als Dritter der Argentinier Mascherano. Die der Erfassung zugrunde liegende Technologie, die die FIFA nutzt, ist ein visuelles Trackingsystem namens "Matrics" der italienischen Firma Deltatre. 16 Kameras verfolgen Fußball, Trikots usw., eine Software analysiert die Bewegungen im Raum. Die Genauigkeit wurde mit 3 Prozent angegeben.

Tabelle 1: Die 10 fleißigsten Feldspieler:

Spieler

Nation

Spiele

Spielzeit
(min)

Zurückgelegte Distanz (km)

Thomas MÜLLER

GER

7

682

84.0

Toni KROOS

GER

7

690

82.6

Javier MASCHERANO

ARG

7

720

81.2

Philipp LAHM

GER

7

690

81.0

Benedikt HÖWEDES

GER

7

690

80.4

Arjen ROBBEN

NED

7

690

79.3

Pablo ZABALETA

ARG

7

720

79.1

Ezequiel GARAY

ARG

7

720

76.1

Daley BLIND

NED

7

670

75.7

Ron VLAAR

NED

7

690

74.6

 

Deutschland also ein Läuferland? Das sieht auf den ersten Blick ganz gut aus, die Deutschen sind scheinbar keineswegs lauffaul. Allerdings muss man bei der Auswertung selbstverständlich die Einsatzdauer berücksichtigen. Logisch, wer mehr Spiele absolvierte und mehr Minuten eingesetzt war, konnte auch mehr Kilometer sammeln. Dazu habe ich mir alle 607 zum Einsatz gekommenen Sportler und ihre läuferischen Fähigkeiten nach den Statistiken der FIFA mal genauer angeschaut und analysiert. Für jeden Spieler wurde die durchschnittliche Laufleistung auf eine Spieldauer von 90 Minuten umgerechnet. Zudem habe ich alle Spieler, deren Einsatz im Turnier unter 90 Minuten lag, nicht mehr berücksichtigt. Ein kurzer intensiver Einsatz von nur 10 Minuten kann die Laufleistungen der anderen zeitbezogen natürlich übertreffen und damit verfälschen. Es ergibt sich aus den 474 verbliebenen Fußballern jetzt eine andere Reihenfolge (Tabelle 2):

 

Tabelle 2: Die 10 relativ fleißigsten Feldspieler:

Name

Spiele

Spielzeit
(min)

Gesamt-
 Distanz (km)

Distanz pro 90min (km)

Felipe GUTIERREZ

4

165

25,2

13,75

Matt McKAY

2

180

26,0

13,00

Rodrigo PALACIO

5

160

23,1

12,99

LEE Keunho

3

104

15,0

12,98

Nicolas LODEIRO

3

143

20,4

12,84

KOKE

2

134

19,0

12,76

Mario GÖTZE

6

258

36,3

12,66

Michael BRADLEY

4

390

54,7

12,62

Jose CUBERO

4

115

16,0

12,52

Oliver BOZANIC

2

111

15,4

12,49

 

Der mit Abstand fleißigste Läufer ist nun der 23-jährige chilenische Mittelfeldspieler Felipe Gutierrez mit 13,75 Kilometer pro 90 Minuten. Das ist ein Schnitt von 6:33 min:sec pro Kilometer. Für ambitionierte Langstreckenläufer ist ein "6:33er Schnitt" keine beängstigende Leistung. Natürlich sind die vielen Tempowechsel im Spiel anzuerkennen. Von den Deutschen (siehe Tabelle 3) ist auf Platz sieben als einziger und emsigster Läufer der Goldschütze Mario Götze mit 12,66 Kilometer in den Top-10 vertreten. Auf Platz 53 erst folgt mit 11,35 Kilometern Sami Khedira, Platz 59 belegt Sebastian Schweinsteiger mit 11,26 Kilometern. Thomas Müller landet bei dieser Betrachtung jetzt nur noch auf Platz 79 mit 11,09 Kilometern. Toni Kroos liegt auf Platz 121, Philipp Lahm auf Platz 162. Ist das nun fußlahm oder war es eher die ökonomische Sparschaltung, wollte man doch bis ins Finale kommen und dann immer noch laufen können? Deutscher Effizienz-Fußball?

 

Tabelle 3: Die Laufleistungen der deutschen Feldspieler:

Name

Spiele

Spielzeit
(min)

Gesamt-
 Distanz (km)

Max. Geschwindigkeit
(km/h)

Distanz pro 90min
(km)

Mario GÖTZE

6

258

36,3

29,2

12,663

Sami KHEDIRA

5

376

47,4

29,8

11,346

Bastian SCHWEINSTEIGER

6

505

63,2

29,2

11,263

Thomas MÜLLER

7

682

84,0

30,5

11,085

Toni KROOS

7

690

82,6

29,8

10,774

Philipp LAHM

7

690

81,0

28,7

10,565

Andre SCHUERRLE

6

244

28,6

30,2

10,549

Benedikt HÖWEDES

7

690

80,4

30,5

10,487

Mesut ÖZIL

7

655

73,2

32,0

10,058

Shkodran MUSTAFI

3

131

14,6

32,9

10,031

Mats HUMMELS

6

509

55,7

32,3

9,849

Miroslav KLOSE

5

280

30,6

29,0

9,836

Jerome BOATENG

7

646

70,2

31,1

9,780

Per MERTESACKER

6

435

44,6

28,1

9,228



Die Torhüter - Neuer läuft weniger als es aussieht

Natürlich hängt die Laufleistung auch von der Position des Spielers ab. Allerdings fällt eine Zuordnung zu Stürmer, Mittelfeldspieler oder Verteidiger nicht leicht. So wechselte nicht nur Philipp Lahm während des Turniers seine Aufgabe. Am einfachsten gelingt die Zuordnung natürlich bei den Torhütern, die verständlicherweise die wenigsten Kilometer zurücklegen. Man sollte glauben, dass hier der "Offensiv-Verteidiger" Manuel Neuer, bekannt für seine  spektakulären Ausflüge, die Hitparade anführen würde. Weit gefehlt! Der deutsche Stammkeeper kommt nur auf 5,02 km in 90min (Platz 444) und belegt damit unter den 39 Kollegen gerade mal den 8. Platz in der Torhüter-Laufparade. Am lauffreudigsten war der Australier Maty Ryan mit durchschnittlich 6,17 km pro 90min (Platz 437) vor dem Portugiesen Beto 5,63 (Platz 438) und seinem Landsmann Rui Patricio 5,60 (Platz 439). Der größte Bewegungsmuffel unter den Goalies war der Torhüter der Elfenbeinküste Boubacar Barry, der in drei Spielen durchschnittlich nur 2,4 km/90min zurücklegte. Mag sein, dass sich Torhüter gerne an den Pfosten lehnen oder sie wurden einfach weniger gefordert, was man bei Manuel Neuer wohl annehmen darf.

 

Die Stürmerstars - Messi, Etoo und Co.

Analysieren wir einige der bekanntesten Stürmerstars, die offenbar weniger lauffreudig sind. Am faulsten war der Kameruner Samuel Etoo auf Platz 436 mit schlappen 7,5km/90min. Damit war er der bewegungsscheuste Feldspieler überhaupt. Auch der Argentinier Lionel Messi zeigt mit  gerade mal 8,14 km pro 90min (Platz 432) keine besonderen Marathonläufer Qualitäten (siehe auch Grafik unten). Ein bisschen mehr legten sich der Fußball-Pfau Mario Balotelli mit knapp 9,0 km/90min (Platz 408) und der Franzose Karim Benzema (9,48 km/90min, Platz 348) ins Zeug. Der verletzt ausscheidende Brasilianer Neymar war mit 9,83 km/90min (Platz 297) zwei Plätze hinter Miroslav Klose, aber noch vor Cristiano Ronaldo (Platz 357). Die niederländischen Stürmer gleichen da schon eher Rennmaschinen: Robin van Persie kommt auf 10,23 (Platz 222) und der wuselige Arjen Robben sogar auf 10,34 km/90min (Platz 202). Der Franzose Paul Pogba gehört mit 10,47 km/90min schon zu den etwas fleißigeren Stürmern, ebenso der Schweizer Xherdan Shaqiri (10,65 km/90min, Platz 141) oder Wesley Sneijder (10,71 km/90min Platz 133). Fast so agil wie Thomas Müller war Wayne Rooney mit 10,99 km/90min (Platz 90). Der Torschützenkönig des gesamten Turniers mit sechs Treffern James Rodriguez des ausgeschiedenen Teams Kolumbien brachte es auf mittelmäßige 10,4 km/90min (Platz 196). Für einen Stürmer kann man somit tatsächlich Thomas Müller als einen der lauffreudigeren Athleten bezeichnen.


Die Schnellsten - 10,6 sec auf 100m!

Wenn es darauf ankam schnell zu sein, war Manuel Neuer zur Stelle und war mit einer Spitzengeschwindigkeit von 30,9 km/h der schnellste Goalie der WM. Zum Vergleich: der langsamste Torhüter war der Koreaner Jung Sungryong, der es in zwei Spielen und 180 Minuten nur auf maximal 13,4 km/h brachte. Der ruht sich jetzt wohl von den WM-Strapazen zuhause aus. Die Feldspieler rennen natürlich erwartungsgemäß flotter. Diese Hitparade führt der 30 Jahre alte Junior Diaz aus Costa Rica mit 33,8 km/h an. Damit würde der für Mainz 05 verteidigende Abwehrspieler einen 100 Meterlauf in 10,65 Sekunden zurücklegen, vorausgesetzt, er würde es solange durchhalten! Die nachfolgende Aufstellung (Tabelle 4) zeigt auch, dass nicht wie wiederholt von den TV-Kommentatoren behauptet Jerome Boateng der schnellste deutsche Fußballer im Team ist, sondern zumindest bei der WM in Brasilien der verletzt ausscheidende Shkodran Mustafi (32,9 km/h). Er schaffte es als einziger Deutscher in die Top-10 des Turniers! Mats Hummels ist zweitschnellster Deutscher mit 32,3 km/h auf Platz 17. Auf Platz 23 folgt Mezut Özil mit maximal erreichten 32,0 km/h. Besagter Jerome Boateng landet als viertschnellster Deutscher mit 31,1 km/h nur auf Platz 79 der Sprint-Hitparade.


Tabelle 4: Die 10 schnellsten Feldspieler:

Name

Spiele

Spielzeit (min)

Zurückgelegte Distanz

km/90min

Max, Geschwindigkeit

Junior DIAZ

5

510

56,2km

9,92

33,8km/h

Serge AURIER

3

270

28,8km

9,60

33,5km/h

Gonzalo HIGUAIN

7

571

63,6km

10,02

33,1km/h

Alvaro PEREIRA

3

206

21,4km

9,35

33,1km/h

Ron VLAAR

7

690

74,6km

10,40

33,0km/h

Mario BALOTELLI

3

209

20,8km

10,23

33,0km/h

Fabian JOHNSON

4

302

34,9km

9,74

33,0km/h

Darijo SRNA

3

270

30,7km

9,73

33,0km/h

Angel DI MARIA

5

423

45,8km

8,96

33,0km/h

Shkodran MUSTAFI

3

131

14,6km

10,03

32,9km/h

 

Sprinter oder Ausdauertyp?

Sind die Sprintertypen insgesamt etwas lauffauler? Dazu habe ich die durchschnittlichen Kilometer-Laufleistungen der Spieler pro 90 Minuten ins Verhältnis zu deren maximal erreichter Laufgeschwindigkeit gesetzt (siehe Grafik). Natürlich wurden hier nur noch die 436 Feldspieler ausgewertet, denn die Torhüter laufen - an ihre Bude gebunden - zwangsläufig weniger. Dazu wurde von denen, die wenigstens 90 Minuten zum Einsatz kamen, ihre durchschnittliche Laufleistung pro 90 Minuten mit deren Maximal-Tempo linear korreliert (gestrichelte Linie in der Grafik). Es ergibt sich - allerdings mit einer großen Streuung - in der Tat grob die Tendenz: je schneller die Spieler, desto weniger Kilometer legen sie in 90 Minuten zurück. Als Erklärung könnte dienen, dass sich die Sprinter in der Muskelfaserzusammensetzung (FT-/ST-Fasern, siehe in "Das große Laufbuch") etwas unterscheiden und von den maximalen Antritten länger erholen müssen. Natürlich können sie auch tatsächlich lauffauler sein oder einfach durch ihre Position auf dem Spielfeld weniger hin und her laufen müssen. Die Deutschen (rote Punkte) befinden sich in der Grafik eher rechts oben, das bedeutet bei den im Schnitt lauffreudigeren und schnelleren Spielern. Das Dreieck der roten Punkte wird begrenzt von: Mario Götze legte im Schnitt die meisten Kilometer pro Spiel zurück,Shkodran Mustafi war der schnellste und Per Mertesacker... na ja... der langsamste und faulste Läufer (s.u.) im deutschen Team.


Fußball WM 2014 Laufleistung Ausdauer vs Geschwindigkeit Strecken der Feldspieler


Die bewegungsscheusten Feldspieler

Vergeben wir zum Abschluss noch die roten Laternen: Auf die erreichte Maximalgeschwindigkeit bezogen war der langsamste Feldspieler der Australier Mark Bresciano, der es als Mittelfeldspieler auf höchstens 22,3 km/h brachte. Immerhin rannte der 34-Jährige durchschnittlich 11,88 km/90min in drei Spielen und war damit zwar gemächlich unterwegs, aber doch einer der lauffreudigsten Feldspieler. Der Läufer des Turniers war für mich Rodrigo Palacio, Drittschnellster und einer Lauffreudigsten je 90 Minuten. Den Titel des Bewegungsmuffels des Turniers bekommt von mir allerdings Diego Lugano aus Uruguay. Der 33-jährige Abwehrspieler legte in 90 Minuten nur 9 Kilometer zurück und war mit 22,7 km/h der Zweitlangsamste überhaupt. Im gehört in der Grafik entsprechend der Punkt ganz links, ziemlich unten. Er schaffte auch nur ein Spiel. Die Schlusslaterne im deutschen Team hing deutlich höher: der langsamste und bewegungsmuffeligste Deutsche war Per Mertesacker, der es in sechs Spielen auf nur 28,1 km/h brachte und auch nur 9,23 km/90min lief. Nun viel und schnell rennen ist nicht alles, aber den 1,98 Meter großen Innenverteidiger, der in der Abwehr als „Fels in der Brandung“ gilt, traf bereits wiederholt der Vorwurf der Langsamkeit und Behäbigkeit. Hiermit sei es bestätigt.... alles in allem reichte es ja zum Titel!







Ballbesitz, aber man muss auch laufen können... 

(von Herbert Steffny 2.7.2014)

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt immer... Deutschland? Puhhhh... diesmal waren es 120 Minuten. Das war kein Spaziergang für die deutsche Nationalmannschaft. Das Achtelfinalspiel gegen Algerien wurde zur Zitterpartie. Auf den letzten Drücker und mit einem überragenden Manuel Neuer in der Verlängerung gerade nochmals gewonnen. Die Algerier waren bis zum Schlusspfiff nicht nur dribbelstark, sondern brandgefährlich, weil sie wieselflink laufen konnten! Algerien, die Heimat des 1.500 Meter Olympiasiegers 1996 und dreifachen Weltmeisters Nourredine Morceli. Bei den Deutschen vermisse ich weitgehendst (bisher?) die Fähigkeit zum Umschalten auf schnelle Kontervorstöße wie es die Nordafrikaner blitzschnell mit langen Flanken vorzauberten. Der deutsche Fußball, unschön, aber meist schrecklich effizient. Eher an das Gerangel und Gewurschtel beim Handball erinnernd. Man arbeitet sich gemächlich an den 16 Meterraum vor, spielt zwischendurch sicherheitshalber nochmal nach hinten und schiebt den Ball solange hin und her bis sich vielleicht eine Idee oder eine Lücke findet. Ziemlich statisch.... Bleibt zu hoffen, dass sich die Deutschen als "Turniermannschaft" mit dieser Sparschaltung bis in Finale durchmogeln, um dann dank ihrer (hoffentlich vorhandenen) Reserven dem überraschten Gegner die Kugel überfallartig ins Netz zu ballern. 

Man muss nicht nur schnell laufen können, sondern auch möglichst lange.... Ballbesitz ist auch kein Selbstzweck, sondern spart Kilometer, weil man Pässe schlägt und der Gegner läuft dem Ball hinterher. Beispiel Schweiz vs. Argentinien: Ballbesitz 39 zu 61%. Entsprechend rannten die Eidgenossen zusammen 147, die Gauchos nur 135 Kilometer. Fünf der acht Achtelfinalspiele wurden in der Verlängerung entschieden. Die entscheidenden Tore fielen zudem oft in den allerletzten Minuten. Die Schweiz verlor 0:1 gegen Argentinien in der 118. Minute! Die drei Tore USA vs. Belgien (1:2) fielen alle in der Verlängerung. Brasilien musste gegen Chile bis ins Elfmeterschießen, ebenso Costa Rica gegen Griechenland. Es heißt also auch am Ende noch noch rennen zu können, so wie in einem Marathon. Und wie bekommt man diese Ausdauer? Indem man genügend Lauftraining im grünen Bereich betreibt, denn Ausdauerleistungsfähigkeit ist gleichbedeutend mit verbesserter Ermüdungswiderstandfähigkeit. Lange hatten die Fußballer keinen Bock zum Training ohne Ball. Wieso sollte man Dauerläufe machen, wenn man im Spiel nur schnelle Antritte und Sprints exerziert? Doch bald kapierten es auch die Ledertreter, dass das Training der  Grundlagenausdauer (z.B. verbesserte Durchblutung der Muskulatur) die Regeneration zwischen den vielen Sprints verkürzt. Gingen früher die Spieler sozusagen stehend k.o., so ist deren Kondition, also das Durchhaltevermögen heute deutlich verbessert. 

Ein Schlauer trainiert die Ausdauer! Eine gute Grundlagenausdauer optimiert zudem die Hitzefestigkeit und verkürzt auch die Erholungsdauer zwischen den Spielen eines Turniers. Ausblick auf das Viertelfinale: Frankreich brauchte keine Verlängerung, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Die Deutschen haben 30 Minuten Extraarbeit in den Knochen. Das spricht zunächst für die Franzosen, wenn sich Deutschland und Frankreich am Freitag um 18.00 gegenüberstehen. Auch die Niederländer und Kolumbianer haben Körner gespart und ihre Spiele bereits nach 90 Minuten entschieden. Neben Technik, Taktik, Glück, Motivation, einem Kämpferherz und einem intakten Teamgeist wird die Kondition, je länger das Turnier dauert, umso entscheidender sein. Na, dann hoffen wir, dass der deutsche Effizienz-Fußball bisher wenigstens kräfteschonend war. Weltmeister werden kann nur, wer am auch 13. Juli um 21.00 Uhr auf dem Platz die die Kugel kickt.

Der deutsche Adler zeigt Flagge und Muskeln
Der deutsche Adler zeigt Flagge und Muskeln - hat er auch Ausdauer?
(Foto, Copyright: www.herbertsteffny.de)





Brasilien Marathon - Bagunza und Weltrekord

(von Herbert Steffny, 2.7.2014)


Brasilien ist auch ein Land der Läufer.
Zugegebenermaßen nicht so wie Kenia oder Äthiopien, aber im Marathon haben einige Brasilianer dennoch Geschichte geschrieben. Einflußreich ist auch der bekannteste Lauf in Brasilien, der Silvesterlauf von Sao Paulo, der Klassiker und das Vorbild für alle Silvesterläufe, an dem ich übrigens auch einmal teilnehmen durfte. Vor Ort nannten es die Einheimischen damals eine "Bagunza" ("ziemliches Durcheinander" oder salopp einfach: "Sauhaufen!"). Und das ging so: Ich startete bei der damaligen Abendveranstaltung hochmotiviert und als Hitzespezialist in vorderster Reihe. Nach 300 Metern ging es links um eine Ecke in eine schlecht beleuchtete Nebenstraße. Toll! Ich lag auf Platz sechs. Aber was war jetzt los? Plötzlich drängten Läufer im Schutze der Dunkelheit zwischen den Zuschauern auf den Kurs und es flogen T-Shirts durch die Luft, ich dachte erst, das wären ein paar Spinner, doch das ging über die nächsten Kilometer so weiter. Machen wir es kurz.... ich startete als Sechster, überholte danach noch rund 60 Läufer, auch Übergewichtige, und war im Ziel auf Platz 40 oder 50 eingekommen. Danach wusste ich aus erster Hand was eine Bagunza war! Schwamm drüber! Mittlerweile findet das Rennen übrigens bei Tageslicht statt....

Doch wechseln wir von den dunklen Seiten zu den brasilianischen Highlights: Marathon Olympiasieger konnten die Brasilianer bisher im Gegensatz zum sportlichen Rivalen und Nachbarn Argentinien noch nicht stellen. Die Gauchos gewannen durch
Juan Carlos Zabala (1932) und Delfo Cabrera (1948) zweimal Gold und Reinaldo Gorno fügte 1952 hinter dem unvergessenen Emil Zatopek noch eine Silbermedaille hinzu. Olympisches Edelmetall erlief lediglich Vanderlei de Lima bei den Spielen in Athen 2004. Der Brasilianer wurde dabei zum tragischen Helden, weil ein gestörter Zuschauer ihn in Führung liegend im Finale zur Seite schubste. Der konsternierte Brasilianer rappelte sich wieder auf, musste danach aber noch den Italiener Stefano Baldini und den US-Amerikaner Mebrahtom Keflezighi vorbeiziehen lassen. Sein Landsmann Ronaldo da Costa dagegen trug sich in die Liste der Marathonweltrekordler ein. Beim Berlin Marathon 1998 schraubte er sensationell die neue Bestmarke auf 2:06:05 Stunden hoch. Er war bei den Männern der letzte Weltrekordler nicht-afrikanischen Ursprungs. Die Marke hielt nur gut ein Jahr bis der Marokkaner Khalid Khannouchi die Messlatte auf 2:05:42 Stunden hochlegte. Und noch eine unvergessene Glanztat eines Brasilianers:  Marilson Gomes dos Santos machte sich als zweifacher New York Marathon Sieger 2006 und 2008 international einen ganz großen Namen. 




Doping im Fußball - gibts nicht?

(von Herbert Steffny 3.7.2014)


Demnächst beginnt mitten im Fußballfieber wieder die Tour de France und ZDF und ARD sind nicht dabei.... wegen der Dopingskandale der Rennradler.... nachvollziehbar. Aber nicht nachvollziehbar: beim Fußball scheinen diesselben Medienvertreter flächendeckend blind zu sein. Da gräbt beispielsweise Hajo Seppelt vom WDR spektakulär in Apotheken in Nairobi und in Kapsabet im Hochland von Kenia Doping-Geschichten einiger Langstreckenläufer ans Tageslicht. Gut so, aber lieber Hajo Seppelt, warum nicht mal im viel größeren Fußball-Sumpf wühlen? Ein bisschen Betrug bei der FIFA bei der WM Vergabe zu den Wüstenscheichs, was soll's!? Nur nicht zuviel nachgraben.... Fußball erscheint wie eine Oase der Fairness für sauberen Sport. Dabei hat gerade diese Sportart etwas, was viele andere Sportarten nicht bieten können.... Kohle ohne Ende! Und ausgerechnet da soll es keine Dopingsünder geben? Wird doch bei anderen Sportarten immer damit argumentiert: "Wo Geld im Spiel ist wird betrogen!" Im Fußball - wird von Gutdünkern und Lobbyisten in Feld geführt - soll zudem Teamgeist, Technik usw. entscheidender sein. Betrachtet man aber wie die Entscheidungen bei der WM in vielen Spielen erst am Ende und in der Verlängerung fielen, da wird auch dem Naivsten klar, dass es auch mit Kondition, Ausdauer, Kraft und Erholungsfähigkeit zu tun hat. Genau da helfen Dopingmittel - auch Fußballern!

Leistungsmanipulation wie früher (noch heute?!) beim Radsport - dort war es das große Schweigen, die Omerta - ist beim Fußball ein mediales Tabuthema, denn die Show muss weiter gehen. "Wie Religion ist auch Fußball Opium für das Volk", frei nach Karl Marx. Fußball-Zeit ist die Zeit, in der sich Politiker wie Angela Merkel und Co. als Sportsfreunde im Stadion jubelnd  vermarkten und klammheimlich unangenehme Gesetze durchdrücken. Erstaunlich wie "Pep" Guardiola als (Bayern-)Trainer vergöttert wird, als Athlet dopte er sich mit Nandrolon und wurde sogar erwischt... nur ein kurze Sperre erfolgte. Die wenigsten wissen das. Es soll in verunreinigten Nahrungsmitteln gewesen sein. Ja, ja... das kann man dann, wenn's passiert ist schnell zur Verteidigung vorbringen. So einfach kommt man beim Fußball davon. Wie schlachten dagegen vergleichsweise die Leichtathleten ihre Stars!? Dieter Baumann hatte ebenfalls Nandrolon ...in der Zahnpasta - zwei Jahre Sperre!

Wenn Sie mehr wissen wollen über die Tricks der Herren Maradonna, Beckenbauer, Guardiola, wie sich die deutsche Nationalmannschaft 1954 mit Pervitin dopte oder wieso der spanische Fuentes-Skandal just ad acta gelegt wurde, als klar wurde, dass die großen spanischen Fußballclubs envolviert sein dürften, dann lesen sie diese interessanten Beiträge:




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