Leichtathletik EM - Zürich 2014
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Autor und Copyright: Herbert Steffny
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Leichtathletik Europameisterschaften in Zürich 2014

Inhalt:

Maskottchen Cooly EM Zürich 2014 sportlich
Berichte, Ergebnisse:
Sabrina Mockenhaupt startet in Zürich über 10.000m und Marathon
Die Kleinste im deutschen Aufgebot Sabrina Mockenhaupt startet bei der EM in Zürich über 10.000m und Marathon. Während Anna Hahner und Irina Mikitenko aus finanziellen Gründen dem Nationaltrikot eine Absage erteilten, stellt sich die Frohnatur aus dem Siegerland in den Dienst der Teamwertung.
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Arne Gabius könnte seine 5000m Silbermedaille verteidigen
Der Tübinger Arne Gabius ist einer der erfahrensten deutschen Läufer im  Mittel- und Langstrecken Team.Gelingt im nach Silber über 5.000m bei den letzten Europameisterschaften wieder der Sprung auf das Treppchen?
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)


Tadesse Abraham Schweiz Marathon
Die neue schweizer Hoffnung für den Marathonlauf ist der seit Juni 2014 für die Eidgenossen startberechtige frühere Eritreer Abraham Tadesse. In beachtlichen 2:07:45 Stunden siegte er beim Zürich Marathon 2013. Bei seinem Start in Honolulu im Dezember ließ er es dann aber ruhiger angehen.
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Irina Mikitenko startet nicht bei der EM
Obwohl Irina Mikitenko auch im letzten Jahr mit 2:24:54 Stunden in Europa einen Spitzenplatz belegte, startet sie offenbar nur bei City Marathons wie hier in Berlin 2013 im Nationaltrikot. Dabei wäre sie eine klare Medaillenkandidatin gewesen und hätte das Team ebenfalls auf das Treppchen führen können....
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Viktor Röthlin
Der Titelverteidiger Viktor Röthlin will seine Marathonkarriere möglichst mit einer Medaille beim Heimspiel in Zürich abschliessen. Nach seinen Trainingsdaten fühlt er sich in der Form für eine Zeit um 2:08 Stunden.
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Deutsches Team mit 93 Athleten

Zürich darf sich mit Fug und Recht zu den wichtigsten Leichtathletik Städten dieser Welt zählen. Das internationale Abendsportfest "Weltklasse", das in diesem Jahr - ebenfalls im Letzigrund Stadion -  nach der EM am 28.8.2014 stattfindet, setzte schon immer internationale Maßstäbe.  1.439 Athleten (788 Männer, 651 Frauen) aus 50 Ländern treten nach 60 Jahren wieder in der Schweiz an, um die Besten des Kontinents zu ermittlen. 1954 fanden die Meisterschaften in Bern statt. Ein Star der Veranstaltung war damals der legendäre Emil Zatopek.


Rund
2.000 in diesem Jahr Medienschaffende werden in Zürich erwartet. Der Etat beträgt 35 Millionen Franken. Die Schweizer senden zur Heim-EM das Rekordaufgebot von 53 Athleten (27 Frauen und 26 Männer). Unter den Langstrecken-Disziplinen der 22. Leichtathletik Europameisterschaften wird das Abschiedsrennen des Marathontitelverteidigers Viktor Röthlin vor schweizer Publikum besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Der deutsche Leichtathletik Verband hat 93 Athleten, 47 Frauen und 46 Männer nominiert, 20 mehr als 2010, die vom 12.-17.8.2014 im Stadion Letzigrund um Platzierungen, Endkampfteilnahmen und die Medaillen in 47 Disziplinen laufen, springen und werfen werden. Das Durchschnittsalter beträgt 25,2 Jahre. Die deutsche Teamleitung gab kein Ziel für die Zahl der erhofften Medaillen aus, strebt aber einen Platz unter den drei Top-Nationen an. 1012 war der DLV in der Medaillenwertung die erfolgreichste Nation. Zuletzt gewann Deutschland Ende Juni auch die Team-EM in Braunschweig. Das stimmt hoffnungsvoll.


Das deutsche Mittel- und Langstrecken Team
(mit Leistung und Platzierung Europabestenlise 2014, Stand 30.7.2014)

Disziplin
Männer
(Leistung und Platz Europabestenlise 2014)
Frauen
(Leistung und Platz Europabestenlise 2014)
   
800mDennis Krüger (1:45.79 Pl.8)
-
   
1.500mTimo Benitz (3:34.94 Pl.6)
Homiyu Tesfaye (3:31.98 Pl.2)
Florian Orth (3:34.54 Pl.5)
Diana Sujew (4:05.72 Pl.15)
   
5.000mArne Gabius (13:25.50 Pl.6)
Richard Ringer (13:27.92 Pl.8)
Maren Kock (15:22.75 Pl.14)
 
10.000mArne Gabius (27:55.35 Pl.3)
Sabrina Mockenhaupt (32:29.26 Pl.17)
   
3.000m HSteffen Uliczka (8:26.79 Pl.15)
Martin Grau (8:24.29 Pl.8)
Antje Möldner-Schmidt (9:38.30 Pl.11)
Gesa Felicitas Krause (9:38.40 Pl.12)
Jana Sussmann (9:43.52 Pl.19)
   
MarathonAndré Pollmächer (2:13:59 Pl.18)
Sabrina Mockenhaupt (keine Zeit 2014)
Katharina Heinig (2:33:56 Pl.26)
Mona Stockhecke (2:34:04 Pl.27)
   


Mittel- und Langstreckler - eine Vorschau


Auf der Bahn - neuer Hoffnungsträger Timo Benitz

Die Deutschen Mittel- und Langstreckler haben vor allem auf der Bahn in den letzten Monaten eher positiv überrascht. Teils mischten vollkommen neue Gesichter die Szene auf. So sorgte der 22-jährige Newcomer Timo Benitz (LG Nordschwarzwald) für mächtig Furore als er den gerade eingebürgerten Mittelstreckenstar und WM-Fünften Homiyu Tesfaye über 1.000m im Spurt stehen ließ und in der Weltklassezeit von 2:16,90 Minuten in Pliezhausen siegte. Es folgte ein internationaler Sieg bei der Team-EM in Braunschweig über 800m, eine 1.500m Bestleistung von 3:34,94 Minuten in Dessau und in Ulm am letzten Wochenende der deutsche Meistertitel über 1.500m. Der schmächtige Student der Luft- und Raumfahrttechnik hat im Finale mächtig Puste, ist er doch hobbymäßig Posaunenspieler. Ob der sagenhafte Endspurt, seine stärkste Waffe, auch bei der EM sitzt, hängt auch von der Nervenstärke des international bisher noch relativ unerfahrenen Nachwuchsläufers ab. Je mehr die anderen im Finale taktieren, desto besser für den Mann vom Bodensee. Bisher machen seine Auftritte Spaß und zuzutrauen ist ihm alles! Die aufmerksame europäische Konkurrenz sollte ihn auf der Liste haben. Die Deutschen haben über 1.500m drei Vetreter unter den Top-Sechs der momentanen Europabestenliste! Es riecht nach wenigstens einer Medaille.

Arne Gabius (LAV Tübingen) ist international bereits sehr erfahren und Vizemeister über 5.000m der letzten EM 2012. Entsprechend hoch ist sein Anspruch. Man wird sehen, ob
er sich als doppelt Nominierter für die 5.000 oder 10.000m entscheidet. Die besseren Ergebnisse erzielte er in diesem Jahr eigentlich eher auf den längeren Strecken, wo er über 10.000m mit 27:55,35 Minuten in Stanford im Mai überzeugte und im Halbmarathon in New York im März erstklassige 1:02:08 Stunden hinlegte. Zuletzt unterlag er allerdings bei der deutschen Meisterschaft über 5.000m knapp dem neuen Rivalen und spurtstärkeren Richard Ringer (VfB LC Friedrichhafen). Er wird seinen Start in Zürich sicherlich auch nach der Konkurrenz auswählen. Nicht ohne Chancen sind die drei nominierten 3.000m Hindernisläuferinnen Antje Möldner-Schmidt, Gesa Felicitas Krause und Jana Sussmann. Ähnlich wie über 1.500m der Männer treiben sich die Konkurrentinnen nach vorne. Die europäische Elite liegt sehr eng beieinander, Platz drei und Platz 17 der aktuellen Europabestenliste trennen nur 10 Sekunden. Überraschungen, sogar eine Medaille für die deutschen Läuferinnen sind drin.


Marathon - große deutsche Hoffnungen zerplatzt

Die großen Hoffnungen auf der Marathonstrecke insbesondere bei den Frauen erhielten einen Dämpfer nach dem anderen. Da es auch eine Teamwertung gibt, wäre die "Frauschaft": Irina Mikitenko, Anna Hahner, Sabrina Mockenhaupt und Eleni Gebrehiwot mit vier Läuferinnen unter 2:30 Stunden ein klarer Titelanwärter gewesen. In diesem Jahr unterboten überhaupt nur 11 Europäerinnen die 2:30 Stunden Marke. Das Dreamteam zerplatzte aber aus unterschiedlichen Gründen. Es tritt von der erfahrenen Elite nur noch Sabrina Mockenhaupt mit Katharina Heinig (2:33:56 Stunden) und Mona Stockhecke (2:34:04 Stunden) an. Letztere hat ein Heimspiel. Sie wohnt seit 10 Jahren
in Zürich und gewann im Frühling den Zürich Marathon.  Sabrina Mockenhaupt plant einen Doppelstart über 10.000m und Marathon, damit die Marathon-Mannschaft nicht platzt. Ein Marathonstart in Zürich muss man ihr unter dem Aspekt Teamgeist hoch anrechnen, denn wenn die Siegerländerin nur auf der 10.000m Strecke starten würde, wären ihre Chancen besser bei einem Herbstmarathon Kasse zu machen. Wie sie die Doppelvorbereitung auf 10.000m und Marathon für Zürich hin bekommt, ist ein schwieriges Unterfangen. Schade, permanente Unsicherheiten in der Zielsetzung und Trainerwechsel nagen sicherlich auch an ihrer Form und Psyche. Die Vorstellung bei der Team-EM über 10.000m, wo sie nur Zehnte wurde, war jedenfalls nicht sehr überzeugend. Mit ihrer Bestzeit 31:14,21 min (allerdings aus dem Jahre 2008) ist Mocki die Viertschnellste im 10.000m Starterfeld am ersten Wettkampftag in Zürich.

Mit der aus Äthiopien eingebürgerten Eleni Gebrehiwot sind wir schnell durch. Sie hat sich leider verletzt. Daß Irina Mikitenko bei einer internationalen Meisterschaften nicht starten wird, war nach ihrem Gebahren der Vergangenheit für mich zu erwarten. Dabei wäre eine internationale Meisterschaft mit dem Potential im Einzel- und Teamwettbewerb in die Medaillenränge laufen zu können ein schöner Ausklang ihrer erfolgreichen internationalen Karriere gewesen. So zieht sie mal wieder einen kommerziellen Marathon im Herbst
der Meisterschaft vor und wird also nie eine internationale Marathon Medaille in ihre Sammlung bekommen. Geld hat sie mit den beiden World Marathon Majors Titeln (je 500.000 Dollar) und anderen Siegen eigentlich genug verdient....

Dem schnöden Mammon läuft leider jetzt auch die Marathonhoffnung Anna Hahner hinterher. Nichts gegen Geld verdienen, aber ihr Manager und Lebenspartner Thomas Dold (Projekt "Run2Sky") stellt wohl sein Studium der Wirtschaftswissenschaften der sportlichen Planung voran. Wie konnte Anna beispielsweise eine Woche nach dem
Sieg beim Wien Marathon bereits wieder in Paderborn 10km rennen? Wegen ein paar Kröten Antrittsgeld sich endgültig platt laufen? Obwohl Anna Hahner sich vom Verband u.a. Trainingslager mit der Zielvorgabe EM bezahlen ließ, erklärte sie plötzlich im Vorfeld der Meisterschaft, dass sie sich einen Start bei der EM aus finanziellen Gründen nicht leisten kann. Am Tage der Nominierung des DLV Teams (30.7.2014) veröffentlichte auch der Berlin Marathon sein Elite-Starterfeld, darunter die DLV Jahresbeste Anna Hahner. Also lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach? Für mich wäre sie eine mögliche Medaillenkandidatin gewesen. Was nutzt ihr dagegen ein Platz sechs in Berlin mit vielleicht 2:27 Stunden, wenn man in Zürich in 2:29 Stunden mit einer klugen Renneinteilung eventuell eine Medaille holt? Ulrike Maisch hatte es in Göteborg 2006 vorgemacht. Sie wurde Europameisterin in 2:30:01 Stunden! Die Gunst der Stunde, Zürich wäre nahezu ein Heimspiel für die in Südbaden ansässige Hahner gewesen! Aus eigener Erfahrung kann ich nur hinzufügen: meine EM-Marathon-Bronze 1986 in Stuttgart hat mir finanziell mehr gebracht, als alle anderen City Marathons! Für die sportliche Planung, die sich so als die bessere herausstellte, verzichtete ich im Frühjahr auf einen Marathonstart (...und Kohle!).

Von den Hoffnungen auch bei den Männern mit einer sehr zahm angesetzten EM-Team-Norm eine Mannschaft an den Start zu bringen, blieb nur noch André Pollmächer (Rhein Marathon Düsseldorf) übrig. Symptomatisch für die Männer Marathon Landschaft: in diesem Jahr liefen nur vier Deutsche unter 2:20 Stunden. Jan Fitschen ist dauerverletzt und tritt in Sachen Marathon nur noch als TV-Co-Kommentator auf. Auch André Pollmächer wollte zunächst aus finanziellen Gründen, trotz erfüllter Norm, nicht in Zürich starten. Man hat sich aber zusammen gesetzt und eine Lösung gefunden. Anmerkung meinerseits: wenn ich bedenke wieviel Afrikaner aus Kenia, Äthiopien und Co. vorinvestieren, bevor sie einen Cent Geld sehen, wenn überhaupt jemals, dann stimmt mich dieses zwar verständliche, aber doch zu starke finanzielle Sicherheitsdenken nachdenklich. Mit einem roten Teppich gepampert kann man kaum Weltklasseleistungen erbringen.



Zeitplan - Finals - TV Berichte

Tag

Datum

 

Männer

 

Frauen

 

TV-Bericht

    Uhrzeit Disziplin Uhrzeit Disziplin  
          
Di 12.8.2014 20.2010.000m ZDF/Eurosport
        
Mi 13.8.2014 19.5110.000m ZDF/Eurosport
        
Do 14.8.2014 20.45    3.000mH      ARD/Eurosport
       
Fr 15.8.2014
19.55

800m
19.25

1.500m

ARD/Eurosport
       
Sa 16.8.2014



09.00
16.05
17.40
 Marathon
800m
5.000m
ARD/Eurosport
       
So 17.8.2014 09.00
15.05

16.30
 Marathon
1.500m

5.000m


16.08



3.000mH
ZDF/Eurosport
          





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Steffen Uliczka und Victor Garcia verhakeln sich beim überqueren des letzten Hindernis
Horrorsturz: Steffen Uliczka und Victor Garcia verhakeln sich beim überqueren des letzten Hindernis mit fatalen Folgen für Garcia, der minutenlang benommen auf der Bahn lag. Uliczka erreichte dagegen das Finale.
(Foto: Copyright: Herbert Steffny)




Martin Grau qualifizierte sich als Vorlaufzweiter für das Finale
Der Deutsche Meister Martin Grau qualifizierte sich als Vorlaufzweiter für das Finale.
(Foto: Copyright: Herbert Steffny)
3.000m Hindernis - Garcias Horrorsturz ohne Folgen
(12.8.2014 - von Herbert Steffny aus dem Letzigrund-Stadion)

Schrecksekunde im ersten Vorlauf des 3.000m Hindernisrennens. Der Wassergraben oder das letzte Hindernis sind die Achillesfersen des 3.000m Hindernislaufs. Als ich früher selbst noch vor meiner Marathonkarriere Hindernisläufer war, hatte ich immer einen Mordsbammel vor dem letzten Sprung. Du bist im Endspurt voll mit Laktat und musst irgendwie nochmal über das letzte Ding rüber. So geschah es auch im Letzigrund: Der Deutsche Steffen Uliczka mühte sich zur Finalteilnahme noch unter die besten Fünf zu kommen. Auf der Zielgerade wurde das Feld breit. Uliczka wich auf Bahn drei aus, um noch vorbei zu kommen. Rechts knapp hinter ihm noch weiter außen lief der Spanier Victor Garcia. Für ihn wurde es wirklich eng, denn um regelkonform über das letzte Hindernis zu kommen und nicht außen vorbeizulaufen, kollidierte er von hinten mit dem Deutschen, blieb mit dem linken Knie hinter dem Balken hängen und fiel kopfüber auf die Bahn. Während Uliczka unbeschadet noch den fünften Platz in 8:36.59 Minuten erspurtete, blieb der Spanier minutenlang benommen liegen, bis ihn Sanitäter abtransportierten. Zum Glück konnte er kurz danach wieder aufstehen. Noch einmal glimpflich davongekommen, offenbar nur mit einer Gehirnerschütterung, denn er konnte sich an den Vorfall nicht mehr erinnen. Er scheint darin übrigens ein Spezialist zu sein, denn 2012 geschah ihm das selbe Malheur ebenfalls bei den Europameisterschaften. Damals konnte er sich aber wieder aufrappeln und das Ziel noch laufend erreichen. Im zweiten Vorlauf lief der der deutsche Meister Martin Grau taktisch geschickter an der Spitze mit und qualifizierte sich als Vorlaufzweiter in 8:32.35 Minuten für das Finale.

Victor Garcia reglos auf der Bahn nach dem Horrorsturz über 3.000m Hindernis
3000m Hindernis: der Spanier Victor Garcia
liegt nach dem Horrorsturz reglos auf der Bahn.
Er erlitt eine Gehirnerschütterung, war aber später wieder wohlauf.

(Foto: Copyright: Herbert Steffny)



Jo Pavey 10.00 Meter EM Zuerich

Die Älteste zeigt über 10.000 Meter der Jugend, wo es lang geht! Jo Pavey siegt mit fast 41 Jahren im Spurt  gegen die 24-jährige Französin Clémence Calvin.
(Foto: Copyright: Herbert Steffny)

1. PAVEY Jo GBR 32:22.39
2. CALVIN Clémence FRA 32:23.58
3. TRABY Laila FRA 32:26.03 PB
4. VASTENBURG Jip NED 32:27.37 
5. MOREIRA Sara POR 32:30.12
6. MOCKENHAUPT Sabrina GER 32:30.49
7. MAZURONAK Volha BLR32:31.15
8. BRITTON Fionnuala IRL 32:32.45 
9. PAPP Krisztina HUN 32:32.62
10. NAGOVITSYNA Yelena RUS 32:33.64
11. PROKOPCUKA Jelena LAT 32:34.03
12. FÉLIX Dulce POR 32:35.90
13. JARZYNSKA Karolina POL 32:40.98
14. POTTER Beth GBR 32:53.17
15. BELETE Almensch BEL 33:03.87
16. ROCHA Carla Salomé POR 33:05.49
17. RODRÍGUEZ Lidia ESP 33:17.39
18. BARRACHINA Gema ESP 33:24.65
19. BEREŠOVÁ Katarína SVK 33:28.60
20. GALIMOVA Valentina RUS 33:36.45
21. ERDÉLYI Zsófia HUN 33:41.72
22. KARAKATSÁNI Anastasía GRE 33:53.00
23. SEKANOVÁ Lucie CZE 33:57.29
24. FALCH Runa Skrove NOR 38:06.59

- DUARTE Sophie FRA DNF
- CHECA Dolores ESP DNS

10.000m Frauen - ältesteste Europameisterin aller Zeiten

(12.8.2014 - von Herbert Steffny aus dem Letzigrund-Stadion)

Die erste Laufentscheidung der Europameisterschaften hatte den erwarteten oder befürchteten Verlauf. 25 Damen konnten sich bei windstillen Bedingungen um 20 Grad nicht entscheiden, wer das Heft in die Hand nehmen sollte. So bummelte man Kilometer um Kilometer in 79er Runden durchs leider nur etwa halbvolle Oval. Also ein eher langweiliges Rennen bei dem niemand den Mumm hatte eine vorzeitige Entscheidung zu suchen und den Spurterinnen einen Strich durch die Rechnung zu ziehen. Eine klare Favoritin im Stile eines Mo Farah wie bei den Männern gab es eigentlich nicht. Warum also nicht etwas unternehmen? So war klar, dass die Schnellen an am Ende die Nase vorne haben werden, denen konnte es natürlich recht sein. Die Führung wechselte, aber ohne Einfluß auf das Renntempo, das auf knapp 33:00 Minuten hinlief. Eine der Mitfavoritinnen Almensch Belete aus Belgien zerieb sich mal hinten bummelnd, mal in Führung gehend, um sich dann wieder ans Ende der großen Führungsgruppe fallen zu lassen. Die 5.000 Meter Marke wurde in 16:26,72 Minuten durchgejoggt. Der Meisterschaftsrekord von Paula Radcliffe mit 30:01,09 Minuten aus dem Jahre 2002 in München lag längst in einer anderen Sphäre. Sabrina Mockenhaupt als Kleinste des Feldes lief an fünfter bis achter Position liegend unauffällig mit. Allerdings gab es dort auch viel Gedrängel, mehrere Spikesstritte sorgten für blutende Wunden an den Beinen. Eine Halbdeutsche Julia Bleasdale, deren Mutter aus Würzburg stammt, war als Europa-Jahresschnellste gemeldet, aber nicht am Start.

Das Warten hatte erst rund einen Kilometer vor dem Ziel ein Ende. Die 24-jährige Französin Clemence Calvin ergriff als erste die Initiative und schnell zog sich die noch große, rund 15 Läuferinnen umfassende Spitzengruppe auseinander. Fast schien es als ob die Europacupsiegerin 2014 eine entscheidende Lücke reissen könnte, aber ihre Landsfrau Laila Traby, die Britin Jo Pavey und die Portugiesin Sara Moreira konnten den Anschluss finden. Jo Pavey, mit fast 41 Jahren die Älteste im Feld, eröffnete eingangs der letzten Runde den finalen Spurt, dem die anderen nichts mehr entgegen zu setzen hatten. Die ehemalige Mittelstreckenläuferin mit einer 1.500m Bestzeit von 4:01,79 Minuten feierte mit einem schnellen letzten Kilometer (2:55 Minuten) am Abend ihrer Karriere ihren größten Erfolg. Sie ist damit die älteste Europameisterin aller Zeiten und aller Diziplinen. Die Britin ist noch nicht müde, sie plant noch den Start über 5.000 Meter. Sabrina Mockenhaupt konnte den Anschluss an einen Medaillenrang nicht halten, wurde von der am Ende noch stark aufkommenden Niederländerin Jip Vastenburg überrannt und musste sich mit einem  sicherlich nicht schlechten sechsten Platz zufrieden geben. Allerdings belegte die Siegerländerin, die am Samstag auch beim Marathon starten will, schon Rang sechs (2010)  und fünf (2012) bei Europameisterschaften. Um viereinhalb Sekunden schrammte sie an einer Medaille vorbei.


Mo Farah Europameister
Alles andere als ein Sieg von Mo Farah wäre eine Überraschung gewesen. Aber auch Tempovorstöße des Türkei-Kenianers Arikan nutzten nichts. Der Brite siegte in 28:08,11 Minuten vor seinem Landsmann Andy Vernon und dem Türken Ali Kaya.

1..FARAH Mohamed GBR 28:08.11
2. VERNON Andy GBR 28:08.66
3. KAYA Ali TUR 28:08.72
4. ARIKAN Polat Kemboi TUR 28:11.11
5..ABDI Bashir BEL 28:13.61
6. MEUCCI Daniele ITA 28:19.79
7. TAHRI Bouabdellah FRA 28:25.03
8. LA ROSA Stefano ITA 28:49.99
9. MOEN Sondre Nordstad NOR 28:50.53
10. RYBAKOV Yevgeniy RUS 28:53.48
11. NAERT Koen BEL 29:04.87
12. RIBAS Ricardo POR 29:09.47
13. LUNDERS Mats BEL 29:12.86
14. VEDVIK Marius Øyre NOR 29:42.10
15. ULAD Abdi Hakin DEN 29:50.67
16. EKVALL Mikael SWE 30:04.93
17. ALAME Himro ISR 30:04.95
18. AMARE Girmaw ISR 30:53.87
- AKKOYUN Mehmet TUR DNF
- BOUAFIF Adil SWE DNF
- LEBID Serhiy UKR DNF
- MANDOUR Yassine FRA DNF
- PENAS Manuel Ángel ESP DNF
- WIGGERS Tom NED DNF




10.000m Männer: Mo Farah und Doppelsieg für Briten

(13.8.2014)

WER sollte und WIE sollte man den Top-Favoriten Mo Farah aus Großbritannien schlagen? Der Doppelweltmeister und Doppelolympiasieger über 5.000 und 10.000 Meter läuft einfach in einer anderen Liga. Spurtstark wie der in Somalia gebürtige 31-Jährige ist, konnte er kein Interesse an einem schnellen Rennen haben. So trödelte er auch zu Beginn zunächst auf dem letzten Platz eines 24-köpfigen Starterfeldes ohne den Deutschen Arne Gabius, der sich letztlich auf die 5.000 Meter beschränken will. Die Konkurrenz bummelte bei 1.000 Metern gemächlich in 2:55 Minuten durch. Dann machte der Kenia-gebürtige Türke Polat Kemboi
Arikan (alias Paul Kipkosgei Kemboi) mutig Tempo und riß ein Loch von schnell 30 Metern auf. Das Feld zog sich dabei schnell auseinander, Mo Farah musste nun reagieren und lief von hinten auf den zweiten Platz an die Spitze einer acht-köpfige Verfolgergruppe. 3.000 Meter passierte der mutige Frontrunner in  8:27 Minuten durch. Dummerweise machte dann der zweite Türke Ali Kaya (alias Stanley Kiprotich Mukche, ebenfalls aus Kenia) die Tempoarbeit im Verfolgerfeld. Das wäre bei der Tour de France ein Unding, dass ein Mannschaftskamerad die Konkurrenz heranführt. Und so kam es wieder zu einem Zusammenschluss und die Klette Mo Farah war wieder dran. Sieben Läufer durchliefen 5.000 Meter in 14:09,54 Minuten. In der Spitze war noch der Italiener Daniele Meucci, der Brite Andy Vernon, der somalisch-stämmige Belgier Bashir Abdi und der Trainingskumpel von Farah Bob Tahri für Frankreich.

Arikan versuchte es
jenseits der 6.000 Meter erneut, aber nur zaghaft mit einer 67er Runde, Farah war aber sofort wieder dran. Die Spitzengruppe passierte geführt von Arikan die 7.000 Meter in 19:54,56 Minuten. Farah beschränkte sich weiterhin darauf von Platz zwei die Situation zu kontrollieren. Vier Runden vor Schluss ging er zeitweilig sogar selbst in Führung, ein bisschen nach dem Motto: "So Jungs, was nun?" Selbst bei 9.000 Metern (25:36,54 Minuten) ging es nur langsam zur Sache, denn 67er Runden waren noch nicht wirklich schnell. 600 Meter vor dem Ziel ging es endlich zur Sache. Eingangs der letzten Runde machte die nur noch fünfköpige Spitzengruppe ernst. Farah zog los, aber die beiden Kenia-Türken schienen noch nicht geschlagen. Doch der Brite drückte vorne weiter auf das Tempo, dem letztlich nur noch Ali Kaya und der zweite Brite Andy Vernon folgen konnten. Eingangs der Zielgeraden gab es für die Verfolger noch den Hauch einer Chance, doch der Titelverteidiger ließ auf den letzten Metern nichts mehr anbrennen. In 54,41 Sekunden für die letzten 400 Meter und 2:31,58 Minuten für den letzten Kilometer zeigte er erneut seine Klasse. Es sei aber angemerkt: für mich wirkte er nicht so souverän wie in den letzten Jahren. Gegen Äthiopier oder Kenianer der ersten Reihe hätte er verloren! Die Überraschung dahinter: sein Landsmann Andy Vernon schob sich kurz vor dem Zielstrich noch an Ali Kaya vorbei. Doppelerfolg für Großbritannien, das nach der Goldmedaille von gestern, als Landsfrau Jo Pavey bereits den Sieg über 10.000 Meter für die britischen Damen einheimste, nun im 10.000 Meter Himmel schwebt. Großbritannien erlebt damit nach vielen Jahren der Flaute eine Renaissance alter Stärken auf dieser Diziplin, die einst von Läufern wie Weltmeisterin Liz Mc Colgan oder Weltrekordler Dave Bedford beherrscht wurde. Mo Farah versucht über 5.000m am Sonntag das Double.




1.500m Frauen - Favoritensiege made in Ethiopia
(15.8.2014)

Die Favoritinnen zwei eingebürgerte Äthiopierinnen setzten sich erwartungsgemäß durch. Das Rennen begann nicht allzu schnell, Abeba Aregawi (1.500m Weltmeisterin 2013 für Schweden) und Sifan Hassan (für die Niederlande) wählten unterschiedliche Strategien. Erstere lief im Pulk an Lauerposition auf Platz drei bis vier. Letztere bummelte wie gewohnt auf dem letzten Platz bis 500 Meter vor dem Ziel, wo sie dann konsequent nach vorne vormarschierte und resolut eingangs der letzten Runde die Führung übernahm und den lang gezogenen Spurt eröffnete. Die Schwedin konterte sofort und überholte ihrerseits ihre Kontrahentin. Das Feld flog auseinander, nur die Britin Laura Weightman konnte annähernd folgen. Gold und Silber waren vergeben, nur wer holt welche? 140 Meter vor dem Ziel konterte die 21-jährige Hassan erneut, schob sich an Aregawi vorbei und lief auf der Zielgeraden einem sicheren Sieg in 4:04,18 Minuten entgegen. Aregawi blieb ein sicherer zweiter Platz in 4:05,08 Minuten und Laura Weightman holte für Großbritannien Bronze (4:06,32min).  Die Deutsche Diana Sujew verkaufte sich als Achte in 4:08,63 Minuten gut, war der Einzug ins Finale eigentlich schon ihr größter Erfolg.


Valeria Straneo wurde wie bei den Weltmeisterschaften Zweite
Die 38-jährige Italienerin Valeria Straneo wurde wie im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Moskau auch in Zürich wieder Zweite bei den Europameisterschaften.
(Foto: Copyright: Herbert Steffny)


Pl.NationZeit
1.
Christelle Daunay FRA
2:25:14
2.
Valeria Straneo ITA
2:25:27
3.
Jessica Augusto
2:25:41
4.
Lisa Nemec CRO
2:28:36
5.
Elvan Abeylegesse TUR
2:29:46
6.
Anna Incerti
2:29:58
7.
Drazdauskaite Rasa LTU
2:30:32
8.
Jessica Draskau-
Petersen DEN
2:30:53
9.
Maja Neuenschwander SUI
2:31:08
10.
Fionnula Britton IRL
2:31:46
11.
Natalya Puchkova RUS
2:32:22
12.
Nadia Ejjafini ITA
2:32:34
...
22.
Mona Stockhecke GER
2:35:44
...
28.
Katharina Heinig GER
2:40:11
48 im Ziel, 5 Aussteigerinnen,
darunter Sabrina Mockenhaupt


Teamwertung:

PlatzNationZeit
1.
Italien
7:27:59
2.
Portugal
7:33:06
3.
Russland
7:42:03
4.
Litauen
7:45:38
5.
Schweiz
7:47:01
6.
Niederlande
7:49:55
7.
Irland
7:58:28
8.
Türkei
7:59:02
9.
Schweden
8:06:51
10.
Frankreich
8:15:37
11.
Estland
8:16:36
-
Deutschland
-
Marathon Frauen - Französin schlägt Vizeweltmeisterin
(16.8.2014)

Das Wetter meinte es nicht zu gut mit den Veranstaltern in Zürich. So regnete es nicht nur während der Woche im Stadion, sondern auch zu Beginn des Frauen Marathons am vorletzten Tag in der Züricher Innenstadt. Immerhin waren die Temperaturen mit 11 bis 13 Grad bei Windstille durchaus leistungsfördernd und keineswegs wie von den Marathonläuferinnen befürchtet sommerlich. Das Organisationskomitee legte einen zuschauerfreundlichen Vierrundenkurs mit je 10 Kilometern und einer Eröffungsrunde von 2,195 Kilometer als touristischen Leitfaden für die TV-Übertragung durch die historische Altstadt und entlang des Zürichsees. Die vier Runden waren mit jeweils einem heftigen Anstieg von knapp 50 Metern über eineinhalb Kilometer verteilt hinauf zur Polyterrasse der ETH Zürich gespickt. Dieser Abschnitt bedurfte einer entsprechenden Vorbereitung, ebenso das anschließende Bergablaufen hinunter zum Bellevue Platz. Exzentrische Bremsarbeit gibt schnell Muskelkater! Man konnte erwarten, dass sich hier jeweils die Spreu vom Weizen trennen würde. Ebenso waren von den Läuferinnen die Eisenbahnschienen der Tram und einige Passagen mit Kopfsteinpflaster zu beachten.

Neben den Einzelmedaillen ging es in der Teamwertung auch um den Europacup der Nationalmannschaften. Aus Deutschland war das Rumpfteam Sabrina Mockenhaupt, Mona Stockhecke und Katharina Heinig angetreten. "Mocki" lief am Dienstag bereits die 10.000 Meter, wo sie achtbare Sechste wurde, allerdings mit einigen Kampfwunden durch Spikestritte. Mona Stockhecke gewann vor Ort bereits im Frühling den Zürich Marathon, allerdings auf einer anderen Strecke. Sie wohnt in Zürich und hatte damit Streckenkenntnis und ein "Heimspiel".  Die unterschiedlichen Gründe der anderen nicht angetretenen Sub-2:30-Läuferinnen Mikitenko, Hahner und Gebrehiwot habe ich schon kommentiert. Die Schweizerinnen machten sich große Hoffnungen zumindest im Team eine Medaille zu ergattern. Und so waren sie vielleicht ein wenig übermotiviert, denn schon bald nach dem Startschuss um 9.00 morgens bildete sich eine siebenköpfige Spitzengruppe u.a. mit der italienischen Titelverteidigerin Anna Incerti, ihrer Landsfrau Valeria Straneo, die vor einem Jahr in Moskau in einem beeindruckenden Offensivrennen Vizeweltmeisterin wurde und zur Freude der Zuschauer auch den beiden Schweizerinnen Maja Neuenschwander und Nicola Spirig. Die beiden Eidgenössinen hatten allerdings von ihren Vorleistungen bei weitem nicht das Format die Zwischenzeiten von 10 Kilometer in 34:30 Minuten anzugehen. Das wäre eine Zielzeit von 2:25 Stunden und weit entfernt von den 2:29:42 Stunden (Neuenschwander) und gar 2:42:53 Stunden der Triathlon Olympiasiegerin Nicola Spirig.

Sabrina Mockenhaupt hielt sich verhalten zu diesem Zeitpunkt fast zwei Minuten dahinter auf Platz 26. Noch etwas vorsichtiger starteten zunächst Mona Stockhecke und Katharina Heinig. Doch bald fiel Mocki hinter die beiden Teamkolleginnen zurück, ging ein paar Mal, startete wieder und stieg letztlich aus. Die deutsche Mannschaft, die ohnehin nur noch an einem seidenen Faden hing, war geplatzt. Fußprobleme vom 10.000 Meter Rennen waren der Grund. Natürlich tat es der Siegerländerin unendlich leid.... Vorne tobte indessen die Schlacht an den Anstiegen. Die Kroatin Lisa Nemec, die in 2:25:44 Stunden 2013 den Zürich Marathon gewann, drückte am zweiten Anstieg zusammen mit Straneo auf das Tempo, so dass die zweifache Olympiazweite und Doppel-Europameisterin über 5.000 und 10.000 Meter Elvan Abeylegesse aus der Türkei (früher Äthiopien) Schwierigkeiten hatte den Anschluss zu halten, bergab aber, wohl auf Grund ihrer Schnelligkeit wieder Anschluss finden konnte. Auch Neuenschwander und Spirig bekamen nun Probleme, letztere hatte sich vollends übernommen und wurde letztlich bis auf Platz 24 durchgereicht. Das sollte fatale Folgen für die Teamwertung haben.

Bei Halbmarathon in flotten 1:12:33 Stunden lag nur noch eine Dreiergruppe mit Straneo, Abeylegesse und der eher unscheinbar mitlaufenden Französin Christelle Daunay in Front. Nemec lag nun 10, die Portugiesin Jessica Augusto 17, Spirig und Neuenschwander rund 50 Sekunden und die Titelverteidigerin Incerti schon 1:05 Minuten zurück. Die Deutschen etwa fünf Minuten dahinter, Mocki stieg kurze Zeit später aus. Die Italienerin machte vorne den souveränsten Eindruck, grüßte Leute im Publikum und hatte noch die Freiheitsgrade mit Zuschauern die Hände abzuklatschen. Blöff oder Überlegenheit? Am dritten Anstieg fiel die Vorentscheidung um die Medaillen. Am Gipfel konnte sich Straneo um rund acht Meter  von Daunay absetzen, die Türkin schwächelte erneut am Berg, rannte aber wieder bergab an das Duo heran. Die französische Landesrekordlerin von 10.000 Meter bis Marathon (2:24:22 Stunden, 2010) und Dritte des New York Marathons 2009 kämpfte sich zuvor ebenfalls wieder heran. Bei 25 Kilometern fiel Abeylegesse, die über Marathon bisher nur 2:29:30 Stunden aufzuweisen hat, endgültig aus dem Trio. Dahinter konnte die Jessica Augusto (Bestzeit 2:24:25 Stunden und Europameisterin im Crosslauf 2010) einen mehr oder weniger konstanten Abstand von 15 Sekunden halten und lieferte sich mit der Türkin nun einen Kampf um Bronze.

Am vierten Anstieg kam es zum spannenden finalen Zweikampf zwischen der bereits 38-jährigen Straneo und der noch ein Jahr älteren Daunay. Oben passierten beide Brust an Brust kämpfend die Polyterrasse, 17 Sekunden dahinter war Augusto allerdings noch nicht geschlagen. Aus eigener Kraft konnte sie aber offenbar nicht mehr heranlaufen und die beiden Routiniers vorne gaben sich keine Blöße. Bergab fiel die Entscheidung. Nicht die etwas lockerer wirkende Italienerin, sondern die Französin mit ihren längeren Beinen griff an. Straneo hatte dem offenbar nichts mehr entgegen zu setzen. Drei Kilometer vor dem Ziel waren es rund 10 Meter Abstand, der stetig auf etwa 50 Meter anwuchs. Die Entscheidung war gefallen, zumal Augusto von hinten auch nicht mehr eingreifen konnte. Das spannende und hochklassige Rennen lieferte auf dem bergigen Kurs hervorragende Zeiten. Die Französin Christelle Daunay gewann in starken 2:25:14 Stunden (EM-Meisterschaftsrekord!) vor der Vizeweltmeisterin Valeria Straneo (2:25:27 Stunden) und der Portugiesin Jessica Augusto (2:25:41 Stunden).

Beste Deutsche war Mona Stockhecke in 2:35:44 Stunden auf Platz 22. Die war überwältigt und begeistert von der Stimmung an der Strecke. Ihre "zahlreichen Freunde hätten sie den Berg hochgezogen" so die 30-Jährige im Ziel. Katharina Heinig kam als 28. in 2:40:11 Stunden ein. Die Teamwertung ging an Italien vor Portugal und Russland. Rund fünf Minuten fehlten den fünft-platzierten Schweizerinnen am Podestplatz. Die haben Neuenschwander (gute Neunte in 2:31:07 Stunden) und v.a. die auf dem 24.Platz landende Nicola Spirig durch ihren übereuphorischen Beginn mit Sicherheit verloren. Spirig, die für die zweite Hälfte über neun Minuten länger brauchte, meinte später im Interview, dass Sie es eben einfach riskiert hätte, es wäre ja dann egal, ob sie später 20. oder 30. würde, wenn es nicht klappen würde. Nun ja, an die Mannschaft hat sie dabei aber sicherlich nicht gedacht. Und: ein Marathon ist eben etwas anderes als ein Olympischer Triathlon, der nur die 10km Distanz beinhaltet. Immerhin lief die 32-Jährige in 2:37:12 Stunden noch Bestzeit. Aber da wäre deutlich mehr drin gewesen...


Daniele Meucci Italien Marathon Europameister
Der Italiener Daniele Meucci holte für Italien bereits den fünften Titel eines Marathon Europameisters seit 1986. Über 10.000 Meter errang der 28-Jährige bereits Bronze und Silber.
(Foto: Copyright: Herbert Steffny)


Einzelwertung:

1. MEUCCI Daniele ITA 2:11:08
2. SHEGUMO Yared POL 2:12:00
3. REUNKOV Aleksey RUS 2:12:15
4. GUERRA Javier ESP 2:12:32
5. RÖTHLIN Viktor SUI 2:13:07
6. MEFTAH Abdellatif FRA 2:13:16
7. PERTILE Ruggero ITA 2:14:18
8. POLLMÄCHER André GER 2:14:51
9. ABRAHAM Tadesse SUI 2:15:05
10. RIBAS Ricardo POR 2:15:43
11. KISELEV Stepan RUS 2:15:45
12. ŽOLNEROVICS Valerijs LAT 2:15:56
13. HABARUREMA Jean – Domascene FRA 2:16:04
14. EL HACHIMI Abdelhadi BEL 2:16:35
15. MALATY Benjamin FRA 2:17:09
16. BEN LKHAINOUCH El Hassane FRA 2:17:54
17. BUDOLFSEN Lars DEN 2:17:54
18. FOSTI Roman EST 2:17:54
19. ANDERSEN Henrik Them DEN 2:17:55
20. HEHIR Sean IRL 2:17:59
21. RYBIN Sergey RUS 2:18:04
22. FAURSCHOU Jesper DEN 2:18:12
23. KREIENBÜHL Christian SUI 2:18:36
24. RUSS Ihor UKR 2:19:19
25. MOHAMED Mustafa SWE 2:19:29
26. BILGIÇ Fatih TUR 2:19:49
27. BABARYKA Ivan UKR 2:20:19
28. SEAWARD Kevin IRL 2:20:30
29. OLEFIRENKO Ihor UKR 2:20:36
30. INDONGO Ruben FRA 2:20:39
31. RAYMAEKERS Koen NED 2:20:49
32. PALAMINI Michele ITA 2:21:32
33. BROX Håkon NOR 2:21:47
34. KARLSSON Kári Steinn 2:21:56
35. FRAZER Thomas IRL 2:22:33
36. MOLENHUIS Olfert NED 2:22:45
37. OTT Michael SUI 2:22:51
38. JOHANSSON Fredrik SWE 2:23:10
39. MOREIRA José POR 2:24:23
40. YOSEF Yimharan ISR 2:24:26
41. WUVE Berihun ISR 2:24:39
42. SCHRÖER Ronald NED 2:24:51
43. BRZEZINSKI Blazej POL 2:25:17
44. WIESER Patrick SUI 2:25:33
45. PFLÜGL Christian AUT 2:25:51
46. LEHMANN Adrian SUI 2:26:37
47. LERDAHL Emil SWE 2:27:17
48. BECH Peter DEN 2:28:38
49. ÇAGLAYAN Mehmet TUR 2:30:16
50. RAMON Amir ISR 2:30:45
----------
BARANOVSKYY Dmytro UKR DNF
BAYRAM Muzaffer TUR DNF
BUTA Urige NOR DNF
CHABOWSKI Marcin POL DNF
ENGSTRÖM Patrik SWE DNF
FERREIRA Hermano POR DNF
IONESCU Marius ROU DNF
LALLI Andrea ITA DNF
MUSLU Ercan TUR DNF
NIKOLAJEV Ilja EST DNF
NIKOLOV Iolo BUL DNF
NILSSON David SWE DNF
PAK Hasan TUR DNF
PELLECCHIA Liberato ITA DNF
RICATTI Domenico ITA DNF
SILVA Rui Pedro POR DNF
SOKOLOV Aleksey A. RUS DNF
SZOST Henryk POL DNF
WOLDU Daniel SWE DNF
ZIMRO Zohar ISR DNF
POLLOCK Paul IRL DNS
VAN DEN BROEK Hugo NED DNS

Teamwertung:

1. Russland (RUS) 6:46:04
2. Frankreich (FRA) 6:46:29
3. Schweiz (SUI) 6:46:48
4. Italien (ITA)
6:46:58
5. Dänemark (DEN) 6:54:01
6. Ukraine (UKR) 7:00:14
7. Irland (IRL) 7:01:02
8. Niederlande (NED) 7:08:25
9. Schweden (SWE) 7:09:56
10. Israel (ISR) 7:19:50



Marathon Männer - Meucci komplettiert Medaillensatz
(17.8.2014)

74 gemeldete Männer stellten sich am Züricher Bürkli Platz dem Kampf um die Medaillen der Einzel- und Mannschaftswertung. In der Schweiz lagen die Hoffungen auf dem Titelverteidiger Viktor Röthlin und dem vorjahresschnellsten Europäer Tadesse Abraham, der aus Eritrea stammend nach 10 Jahren Aufenthalt in der Schweiz rechtzeitig im Juni eingebürgert wurde. Röthlin traute sich nach seinen standardisierten Trainingstests auf einer flachen Strecke nach eigenem Bekunden sogar eine Zeit von 2:08 Stunden zu. Soweit zur Theorie. In der Teamwertung stand dem Schweizer Team auf dem Papier eine starke polnische und italienische Mannschaft gegenüber. Die Wetterbedingungen waren trocken sonnig bei nahezu idealen 10 Grad. Entsprechend war der Zuschauerzuspruch diesmal deutlich besser als beim Damenrennen tags zuvor.

Schon nach dem Startschuss zeigte sich der 39-jährige Viktor Röthlin und Tadesse Abraham in vorderster Front. Die ersten fünf Kilometer wurden in nicht allzuschnellen 15:46 Minuten in einer 37-köpfigen Spitzengruppe durchlaufen. Am ersten von vier
Anstiegen drückte der Belgier El Hachimi mit Röthlin im Schlepptau auf das Tempo, wobei erwartungsgemäß die ersten Läufer den Anschluss verloren. Der einzige deutsche Starter André Pollmächer folgte in der Hauptgruppe vier Sekunden dahinter auf Platz 21. Im bergab führenden Streckenteil führte der frühere Junioren-Europameister im Hindernislauf Marcin Chabowski aus Polen, der eine Bestzeit von 2:10:07 Stunden aufweist, die Läufer zurück zum Bellevue Platz und damit auf den flachen Abschnitt entlang des Zürichsees. Das Tempo wurde nun etwas flotter, denn der Pole setzte sich ab. Zehn Kilometer durchlief er in 31:11  Minuten, 10 Sekunden dahinter die weiter auseinandergezogenen Verfolger mit André Pollmächer am Ende der Gruppe. Vor dem zweiten Anstieg bildete sich ein 18-köpfiges Feld mit allen Favoriten.

An der Spitze baute der Pole seinen Vorsprung stetig aus.
An der 15 Kilometer Marke (46:13 Minuten) betrug der Abstand bereits 28 Sekunden. Pollmächer folgte auf Platz 22 in 47:03 Minuten rund 20 Sekunden hinter der Gruppe. Am zweiten Anstieg, der übrigens bis zu knapp 9 Prozent Steigung aufweist, drückte erneut der Belgier El Hachimi und Viktor Röthlin auf die Tube, was zum weiteren zerbröseln der Gruppe führte. Am höchsten Punkt auf der Polyterrasse der ETH Zürich baute der Pole seinen Vorsprung auf 31 Sekunden vor Röthlin und Abraham aus. Pollmächer folgte als 22. Platzierter nun 1:07 Minuten zurück. Überraschung: zu diesem Zeitpunkt fiel der mitfavorisierte und mit 2:07:39 Stunden schnellste Läufer im Feld Henryk Szost zurück. Chabowski überlief 20 Kilometer in 1:01:25 Stunden, bereits 44 Sekunden dahinter die nur noch 15-köpfige Gruppe. Pollmächer hatte bei 20 Kilometern 1:03:09 Stunden.

Flotte 1:04:45 benötigte der Pole für Halbmarathon, nun schon 48 Sekunden vor Röthlin und Co. Ob diese mutige, aber riskante Flucht nach vorne erfolgreich sein würde? Erinnern wir uns 2002 in München ließ die Elite im Regen einen Mann namens Janne Holmen davonziehen und unterschätzte den 
Finnen, der sich dann überraschend Gold erlief. Immerhin bringt die Aktion des polnischen 10.000 Meter Meisters Spannung in die Dramatik den Rennes. In der Teamwertung war zu diesem Zeitpunkt Polen vor Italien und Frankreich. Pollmächer lag bei Halbmarathon auf Platz 20 in 1:06:40 Stunden. Nun ging Röthlin mit Abraham an den Fersen an die Front des Hauptfeldes. Bei Kilometer 25 (1:16:35 Stunden) betrug der Vorsprung von Chabowski  bereits stolze eine Minute und 10 Sekunden auf die 13 Verfolger vor dem dritten Anstieg. Pollmächer lief immer noch auf Platz 20 in 1:19:13 Stunden. Bergan machten die Italiener Ruggero Pertile, Andrea Lalli und Viktor Röthlin nun das Tempo. Am Gipfel blieb der Abstand etwa gleichbleibend 1:11 Minuten.

Der dritte Anstieg selektierte bei immer noch günstigen 15 Grad das Verfolgerfeld auf nur noch sechs Läufer, von denen der Franzose Abdellatif Meftah (Bestzeit 2:09:46 Stunden) als erster die Verfolgung aufnahm. Dahinter Viktor Röthlin, der Italiener Daniele Meucci, der Spanier Xavier Guerra und der Pole Yared Shegumo. 1:32:19 Stunden betrug die Zeit des Polen bei 30 Kilometer, das waren immer noch 1:09 Minuten Vorsprung, Abraham lag hier bereits sieben Sekunden zurück. Der nächste, der abreissen lassen musste, war nun der mehr und mehr breit armschlenkernd laufende Viktor Röthlin. Zum Entsetzen des nun zahlreich erschienenen Publikums fielen also beide Schweizer Asse zurück. Pollmächer (1:35:23 Stunden) arbeitete sich unterdessen weiter auf Platz 18 vor. Vorne zerfiel das Quartett Meucci, Guerra, Shegumo und Meftah zu einer Perlenschnur. Röthlin hatte nun
auf Platz sechs in seinem letzten Rennen schon rund 10 Sekunden Rückstand auf eine Medaille. Dem wackeren Chabowski an der Spitze schwanden langsam die Kräfte. Der Italiener Meucci arbeitete sich Schritt um Schritt näher heran. Bei 34,5 Kilometern holte Daniele Meucci den Flüchtling ein und passierte ihn. Chabowski hatte Seitenstiche, wurde für seinen Mut nicht belohnt, brach ein und wurde entsprechend durchgereicht. Nach Kilometer 35 stieg er aus.

Obwohl Meucci die 10.000 Meter am Mittwoch bereits in 28:19 Minuten als Sechster beendete, hatte er offenbar viel bessere Beine als die deutsche Doppelstarterin Sabrina Mockenhaupt gestern. Sein Vorsprung bei 35 Kilometern (1:48:42 Stunden) auf Yared Shegumo (ein früherer Äthiopier) und Xavier Guerra betrug deutliche 27 Sekunden. Röthlin war Siebter (42 Sekunden Rückstand) und Abraham bereits aussichtslos Elfter. Am vierten und letzten Anstieg liefen nur noch Einzelkämpfer. Meucci die Polyterrasse oben als erster mit 38 Sekunden vor Shegumo und 44 Sekunden vor Guerra. Der Russe
Aleksey Reunkov (46 Sekunden) kam von hinten mächtig auf. Röthlin konnte sich auf Platz fünf vorschieben. Meucci, der bisher lediglich eine Zeit von 2:12:03 Stunden aus New York 2013 aufzuweisen hatte, sah bergab bereits wie der sichere Sieger aus. Im Kampf um die restlichen Medaillen arbeitete sich der Russe Reunkov (2:09:54 Frankfurt 2011) Platz um Platz nach vorne und erfreulich: auch André Pollmächer schob sich auf Platz 13 vor. Bei Kilometer 40 (2:04:25 Stunden) hatte Meucci 41 Sekunden vor Shegumo, Dritter war nun schon Reunkov (57 Sekunden), Vierter Guerra (1:02 min) und dahinter Röthlin mit Meftah (1:32 min).

Daniele Meucci vorne zeigte keine Ermüdungserscheinungen mehr und lief dem Ziel am Bürkliplatz unbedrängt entgegen. Nach Bronze und Silber über 10.000 Meter konnte der Italiener nun mit Gold über Marathon seine Medaillensammlung komplettieren. In persönlicher Bestzeit 2:11:08 Stunden gewann der Italiener in einem taktisch klugen Rennen den Titel, der fünfte für einen Italiener seit 1986. Dahinter sicherte sich Yared Shegumo in 2:12:00 
Stunden Silber und der Russe Reunkov mit einem starken Finale Bronze (2:12:15 Stunden). Vierter wurde Xavier Guerra (2:12:32 Stunden) und dann folgte der Titelverteidiger Röthlin (2:13:07 Stunden), der seinen letzten Marathon nicht wie erhofft mit einer Einzel-Medaille krönen konnte. Beachtlich auch der siebte Platz des ältesten Teilnehmers Ruggero Pertile (2:14:18 Stunden), der bereits 40 Jahre alt ist.

André Pollmächer
lief in einem gut eingeteilten Rennen noch auf einen ordentlichen achten Platz und lag damit noch vor Tadesse Abraham, der mit 2:14:51 Stunden eher enttäuschte. 26 Läufer kamen unter 2:20 Stunden ins Ziel. In der Teamwertung zum Europacup gewannen die Russen Gold vor den Franzosen und der Schweiz. Die Wertung war so eng, dass die viertplatzierten Italiener nur 54 Sekunden von Platz eins entfernt waren! Bedauerlich und symptomatisch: die Deutschen hatten kein Team am Start. So rettete alleine Pollmächer als Einzelkämpfer ein wenig die Ehre der deutschen Marathonläufer und -läuferinnen, die sich ansonsten weder bei den Männern noch Frauen mit Ruhm bekleckerten.

Mo Farah Iten 2014 Copyright Herbert Steffny



1. FARAH Mohamed GBR 14:05.82
2. IBRAHIMOV Hayle AZE 14:08.32
3. VERNON Andy GBR 14:09.48
4. RINGER Richard GER 14:10.92
5. ALAIZ Roberto ESP 14:11.47
6. TAHRI Bouabdellah FRA 14:11.62
7. GABIUS Arne GER 14:11.84
8. ABADÍA Antonio ESP 14:11.89
9. KAYA Ali TUR 14:12.53
10. NURME Tiidrek EST 14:13.89
11. ESPAÑA Jesús ESP 14:14.57
12. FARRELL Thomas GBR 14:15.93
13. ROWE Brenton AUT 14:16.46
14. RAZINE Marouan ITA 14:16.95
15. BOUCHIKHI Soufiane BEL 14:17.43

16. ABDI Bashir BEL 14:24.73
Mo Farah auch über 5.000m nicht zu schlagen
(17.8.2014)

Mein lieber Schwan, was war das für ein Bummelrennen und mit was für einem letzten Kilometer! Es musste so kommen, die Läufer standen sich schon nach 200 Metern förmlich auf den Füßen. Ein klassisches Meisterschaftsrennen, von dem nur die schnellsten Spurter profitieren können. Alle  scheuten sich die Führung dieses 5.000 Meter Rennens zu übernehmen. Da es keine Vorläufe gab, waren die meisten für das unausweichliche gnadenlos schnelle Finale ausgeruht. Darunter waren auch die Deutschen Arne Gabius und Richard Ringer, die durchaus Spurter
qualitäten besitzen. Für das Feld konnte es eigentlich nur einen Spurt auf Silber und Bronze geben, denn der klare Favorit hieß Mo Farah. Der Brite hatte allerdings vier Tage zuvor schon den 10.000 Meter Lauf erfolgreich bestritten. War er dadurch vielleicht angeschlagen? Zunächst tat sich nichts, ....außer einem warm-up Programm.

Spaßeshalber mal die Splits: bei 1.000m 2:58min, 2.000m 5:57min, 3.000m 8:52min und minimal flotter die 4.000m in 11:43min. Zwischenzeiten, die einer deutschen Jugendmeisterschaft würdig wären. Arne Gabius zeigte sich mal in erster Reihe, aber oft
joggte auch der Chef Mo Farah selbst  an vorderster Front, vielleicht nach dem Motto "Hallo Jungs, hier bin ich!" Alle schauten wie erwartet wie die Kaninchen auf die somalisch-britische Schlange. Hatte man beim 10.000 Meter Lauf vom Mittwoch noch den Eindruck, dass der Titelverteidiger ein wenig schwächeln würde, so war nach dem nun über 5.000 Meter folgenden furiosen Finale klar, dass er über die 25 Runden Distanz im Spurt vielleicht einfach nicht mehr tat als nötig. Nach 4.000 Meter Warmlaufen fegte der kleine Laufderwisch die letzten 1.000 Meter in unglaublichen 2:22,8 Minuten runter und siegte überlegen in 14:05,82 Minuten. Die Medaillen gingen an Hayle Ibrahimov (Aserbaidschan, Ex-Äthiopien 14:08,32min) und den Briten Andy Vernon (14:09,48min). Richard Ringer hielt sich bei seinem Meisterschaftsdebüt achtbar, landete aber leider auf dem undankbaren vierten Platz (14:10,92min). Arne Gabius als Siebter in 14:11,84 Minuten dürfte wohl darüber nachdenken, ob er über die 10.000 Meter nicht besser ausgesehen hätte. Mit diesem Sieg hat Mo Farah das einmalige Kunststück vollbracht gleichzeitig amtierender Europa-, Weltmeister und Olympiasieger zu sein und das jeweils im Doppelpack über 5.000 und 10.000 Meter! Donnerwetter! Die Briten dominierten bei der EM auf den langen Bahnstrecken mit 3x Gold (Pavey und 2x Farah) und Andy Vernon holte Silber und Bronze. Das sind zwei Drittel aller möglichen Medaillen!





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