Berlin Marathon 2007

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Marathon Weltrekord durch Haile Gebrselassie in Berlin 2007
(von Herbert Steffny am 30.9./1.10.2007 aus Berlin)

Marathon Weltrekord 2:04:26 Stunden in Berlin - Foto: Herbert Steffny Haile Gebrselassies Marathon Weltrekordlauf Berlin 2007
Das Finale auf You Tube
Die Zutaten - Berliner Luft, tolle Zuschauer und schnelle Strecke

Ein historischer Moment - auch für mich als ARD TV-Kommentator - das passiert nicht alle Tage - ein Marathonweltrekord! Das fehlte bisher noch in der umfangreichen nun schon 24 Weltrekorde umfassenden Sammlung von Haile Gebrselassie. Im achten Anlauf klappte es bei idealen Bedingungen von 12 bis 15 Grad Celsius und nur leichtem Wind für den vierfachen Weltmeister und Doppel-Olympiasieger über 10.000 Meter nun endlich in Berlin. Im letzten Jahr war der Äthiopier schon nach 25 Kilometern allein auf weiter Flur. Trotz der noch herausgelaufenen Weltjahresbestzeit von 2:05:56 Stunden fehlte ihm damals letztlich über eine Minute. Bei der 34. Auflage des Berlin Marathon investierte Rennleiter Mark Milde daher viel Geld in erstklassige Tempomacher. Haile wollte nach der Erfahrung 2006 unbedingt wieder kommen. Der Schuhsponsor des Marathons passt zu dem Äthiopier, das Wetter, die saubere Luft nach dem Regentag zuvor, die schnelle Strecke.... spätestens seit 2007 ist Haile ein Berliner, wenn man das so sehen will.... so jedenfalls seine Antwort auf diese ihm gestellte Frage, ob er nun auch ein Berliner sein. Die Hauptstadt war im Haile-Fieber! Wäre da nicht am selben Tag der Titelgewinn der Frauen bei der Fußballweltmeisterschaft gewesen, er hätte alle Frontseiten der Zeitungen am Montag geziert. Mit einem Bier hat er am Abend gefeiert, aber verdünnt mit Saft. Aber er habe es nicht ganz ausgetrunken. Eigentlich trinkt er lieber Wein, so der geduldige Plauderer, der sich mit jedem fotografieren läßt und auf Wunsch auch ein Bildchen malt, ein T-Shirt signiert usw.... Sobald Haile sein Lächeln, Lachen oder Grinsen, jedenfalls seine weißen Zähne zeigt, ist man verzaubert und schnell seinem Charme verfallen. Und wenn dann auch noch die Leistung stimmt....

Rekordhatz - Haile mit Eile!

Im Geleitschutz von fünf Pacemakern klappte das generalstabmäßig geplante Weltrekordunterfangen diesmal wie am Schnürchen. Der erste Schwadron führte bis 21 Kilometer und danach ging es bis 30 Kilometer weiter im Windschatten der Edelhasen Rodgers Rop (Hamburg, New York und Boston Marathon Sieger) und Andrew Limo aus Kenia. Bei Halbmarathon war mit 62:29 Minuten alles genau im Plan. Eine Verfolgergruppe mit rund 10 Läufern lag bereits 1:16 Minuten dahinter. Nach 30 Kilometer, nur noch knapp auf Weltrekordkurs von 2:04:55 Stunden liegend, verschärfte der 34-Jährige alleine laufend aber noch einmal sein Tempo (siehe Zwischenzeiten unten). An dem Streckenteil, wo er im letzten Jahr im Gegenwind einbrach, zeigte Haile seine Kämpferqualitäten und verbesserte unter den Begeisterungsstürmen des Berliner Publikums den Rekord von Paul Tergat aus dem Jahr 2003 um 29 Sekunden auf 2:04:26 Stunden. Nun möchte der charismatische Äthiopier angesichts des schnellen Kurses und des tollen Publikums zur Weltmeisterschaft 2009 nach Berlin zurückkommen. In Berlin hat er schließlich noch nie verloren und auch nie im September. 2008 wird zunächst im Januar der Dubai Marathon mit seinem Rekordpreisgeld von 1 Millionen Dollar und dann die Olympischen Spiele in Peking die Zwischenstationen des vielleicht größten Läufers aller Zeiten sein. Auch Berlin soll 300.000 Euro eingebracht haben. Aber er laufe längst nicht mehr für Geld, sagt Haile.... man mags ihm glauben. In Äthiopien ist er längst steinreich....

Haile Gebrselassie - Marathon Weltrekord in Berlin - Foto: www.steffny.com
Hailes Weltrekord Nr. 24:
2:04:26 Stunden!

(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Haile Gebrselassie hat viel zu lachen - Foto, Copyright: www.steffny.com
...Haile hat zu viel lachen!
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Miki mit tollem Marathon Debüt

Die siegessichere Gete Wami nahm bei 30 Kilometern angesichts des geplanten New York Starts in fünf Wochen das Tempo bereits etwas heraus. Zunächst lag die Vorjahressiegerin noch auf einem 2:20er Kurs, was äthiopischen Rekord bedeutet hätte. Den hatte ihr Berhane Adere im letzten Herbst in Chicago wieder weggeschnappt. Aber die Aussicht auf die 500.000 Dollar Prämie innerhalb der World Major Marathon Serie ist zu verführerisch. Dafür muss Wami in New York Jelena Prokopchuka in Schach halten. Letztlich lief sie das Rennen ohne sich wirklich verausgabt zu haben zuende. Am Montag behauptete sie entsprechend auf der Pressekonferenz, dass sie schon heute, also am Tag danach wieder Marathon laufen könnte.... na ja! Aus deutscher Sicht lieferte Irina Mikitenko einen erstklassigen Marathoneinstand ab. Zunächst auf Platz fünf und 2:26er Kurs liegend, beschleunigte die Läuferin im Trikot des TV Wattenscheid nach vorsichtigem Beginn jenseits der 35 Kilometer noch einmal deutlich und kam immer näher an die Äthiopierin heran ohne diese aber zu gefährden. Als Zweite in 2:24:51 Stunden verfehlte "Miki" auf Anhieb den deutschen Marathonrekord von Katrin Dörre-Heinig aus dem Jahre 1999 nur denkbar knapp (2:24:35, Hamburg). Immerhin katapultierte sie sich auf den 10. Platz der diesjährigen aktuellen Weltbestenliste. Die gebürtige Kasachin empfahl sich damit wärmstens für die Olympischen Spiele in Peking 2008 und hat den etablierten deutschen Marathonläuferinnen, Maisch, Dreher, Zaituc und Kraus, die voraussichtlich in Frankfurt starten werden, eine ordentliche Vorgabe geliefert. Bleibt abzuwarten was Sabrina Mockenhaupt bei ihrem Debüt am kommenden Wochenende in Köln abliefert. Die Olympianorm steht bei 2:31 und bei den Männern auf 2:13 Stunden. "Es war richtig, dass ich vorsichtiger angefangen habe, aber beim nächsten mal werde ich mich mehr an mein Körpergfühl halten." sagte die Mutter eines fußballbegeisterten Sohnes, die von ihrem Mann Alexander gecoacht wird. Wenn man genau zuhörte klang die Zuversicht heraus, noch viel schneller laufen zu können.... Hauptsache der Einstieg war für die 35-Jährige erst mal ein Erfolgserlebnis.

Irina Mikitenko - Foto Copyright: www.steffny.com

Irina Mikitenko gelang mit
2:24:51 ein tolles Debüt!

(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Trauma statt Traum - Kein Lichtblick bei den deutschen Männern

Bei den deutschen Männern nutzte niemand die Gunst der optimalen äußeren Bedingungen. Alexander Lubina, ebenfalls TV Wattenscheid, scheiterte erneut über die 42,195 Kilometerdistanz trotz Einsatz eines Nobeltempomachers bis zur Halbmarathonmarke: Jan Fitschen, Europameister 2006 über 10.000 Meter. Lubina gab nach etwas zu flottem Beginn und mit für Marathon zu großem und unökonomischem Schritt wie schon in Mainz nach 30 Kilometern auf. Marathon scheint für ihn von einem Traum zu einem Trauma geworden zu sein. Dadurch wurde Falk Cierpinski, der Sohn des zweifachen Olympiasiegers Waldemar Cierpinski, auf Platz 23 mit 2:19:06 Stunden bester Deutscher. Sein formuliertes Ziel eine Zeit von 2:15 Stunden zu laufen verfehlte er jedoch deutlich. Fragwürdig erscheint mir in diesem Zusammenhang allerdings auch die Planung in 14 Tagen schon wieder in München anzutreten, um dort den 20.000 Euro Jackpot aus der Kombination Triathlon und Marathon ("München Hero") einzuheimsen. Da konnte in Berlin natürlich nicht allzuviel heraus kommen. Falls aus Falk ein Marathonläufer werden soll, so müßte er sich voll auf eine Sache konzentrieren. Warum ist er nicht nur in München angetreten? Wollte er die größere Medienöffentlichkeit in Berlin auch noch mitnehmen? Auch die Leverkusenerin Sonja Oberem scheiterte erneut bei einem weiteren Come-back Versuch und stieg ebenfalls nach 30 Kilometern aus.


Geschafft - Jubeln im Ziel!
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Rekord - 32.638 Finisher in Berlin

Die erstklassigen Ergebnisse von Berlin bestimmen die aktuelle Weltbestenliste. Aber auch beim Breitensport gab es neue Rekorde: Insgesamt beendete die Rekordzahl von 32.638 LäuferInnen das Rennen. Darunter rund 43 Prozent ausländische Teilnehmer, allen voran die lautstarken Dänen. Thomas war der häufigste Vorname bei den Männern und Sabine bei den Frauen. Der Nachname Müller war am häufigsten vertreten. Der Frauenanteil legte nicht zu und betrug 20,0 Prozent. Das ist minimal geringer als 2006 (20,2 Prozent). Die Aussteigerquote mit 2,8 Prozent und die Zahl der medizinischen Einsätze lag angesichts der günstigen Witterung glücklicherweise deutlich niedriger als im Vorjahr. Beim Minimarathon, einem Mannschaftrennen für Schulen am Vortag über 4,2195 Kilometer beteiligten sich über 10.000 Schüler. Das macht Hoffnung auf Lauf-Nachwuchs. Das Regenwetter konnte die Stimmung der Kleinen und Jugendlichen allerdings wenig trüben, sorgte aber für zahlreiche Stürze und langsamere Zeiten beim Inliner-Rennen, an dem sich über 7.000 Profis und Freizeitsportler beteiligten. Diese beiden Veranstaltungen wurden erstmals am Samstag nachmittag im RBB Fernsehen über eine Stunde übertragen.


Viele Gewinner und Siegerpose nicht nur für Haile!

(Foto, Copyright: Herbert Steffny)


Siegerin Gete Wami (ETH)
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Ergebnisse Männer
1. Gebrselassie, Haile (ETH) 02:04:26
2. Kirui, Abel (KEN) 02:06:51
3. Kipsang, Salim (KEN) 02:07:29
4. Manyim, Philip (KEN) 02:08:01
5. Adimasu, Mesfin (ETH) 02:09:49
6. Troop, Lee (AUS) 02:10:31
7. Sowa, Arkadiusz (POL) 02:12:00
8. Kahugu, Joseph (KEN) 02:12:08
9. Seto, Tomohiro (JPN) 02:12:21
10. Caceres, Ignacio (ESP) 02:12:46
  Ergebnisse Frauen:
1. Wami, Gete (ETH) 02:23:17
2. Mikitenko, Irina (DEU) 02:24:51
3. Kirop, Helena (KEN) 02:26:27
4. Timofeyeva, Irina (RUS) 02:26:54
5. Sakamoto, Naoko (JPN) 02:28:33
6. Haining, Hayley (GBR) 02:30:43
7. Kerubo Nyangacha, Rose (KEN) 02:31:33
8. Carneiro, Leonor (PRT) 02:31:41
9. Flueckiger-Joly, Angeline (CHE) 02:35:57
10. Gradwohl, Eva-Maria (AUT) 02:36:21
Hailes Zwischenzeiten:
km

Zeit

Split
5 14:43 14:43
10 29:24 14:41
15 44:14 14:50
20 59:08 14:54
21,1 1:02:29  
25 1:14:04 14:56
30 1:28:54 14:50
35 1:43:37 14:43
40 1:58:07 14:30
42,195

2:04:26

6:19


Nachtrag zum Berlin Marathon:

Marathon-Schummler: Mexikanischer Politiker und Liechtensteins Rekordlerin
(14./18.10.2007)

"Doping ist Selbstbetrug" - Interview mit Haile Gebrselassie in der FAZ 2006

Haile Gebrselassie Spontan Zeichnung nach dem Rennen - Foto Copyright Herbert Steffny
Hailes spontane Danke-Zeichnung auf
der Pressekonferenz nach dem Rennen
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

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