Marathon - die letzten 2,195 km
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Wer läuft die letzten 2,195km am schnellsten?
(12.10.2009, aktualisiert zuletzt am 23.4.2017)

Wer ist im Finale der/die Schnellste?

Die verflixten letzten 2,195 Kilometer! Mancher ist froh das 40 Kilometer Schild passiert zu haben. Über diesen letzten Abschnitt hangelt man sich irgendwie noch durch. Kaum zu glauben, dass die Elite hinten raus oft noch gewaltig beschleunigen kann. Genau genommen, wer im Marathon am Ende mächtig zulegen kann, hat sein Rennen nicht richtig eingeteilt. Aber in taktischen Rennen, wo es nur auf den Sieg ankommt, fällt die Entscheidung oft erst im Finale, wo mancher Läufer erst die Keule auspackt oder in Aussicht auf einen Streckenrekord oder eine Zeitprämie noch mal alles raushaut. Die Weltrekordrennen von Radcliffe, Gebrselassie oder Makau waren jedenfalls gleichmäßiger und am Ende eben nicht am schnellsten.

Martin Lel war in der Tat ein Meister des Endspurts, den man schon vorher los werden muss, was aber nicht immer einfach sein wird. Der verstorbene kenianische Olympiasieger Samuel Wanjiru bezog in fünf Marathons von seinem Landsmann die einzige Niederlage. Allerdings war der Kenianer Wilfred Kigen beim Frankfurt Marathon 2005 schon mal hinten raus schneller und Haile Gebrselassie kann auf den letzten 2,195 km fast annähernd diese Geschwindigkeiten laufen. Er lief zudem bei seinen eher gleichmäßig gelaufenen Weltrekorden 2007 und 2008 in Berlin auf den letzten 2,195 km den letzten Abschnitt ganz alleine! Das zeigt erneut seine Klasse. 2008 lief er beim Weltrekord noch gleichmäßiger und entsprechend auf dem letzten Abschnitt langsamer, dafür aber erneut Weltrekord! Ronaldo da Costa, der eigentümliche "Eintagsfliegen-Weltrekordler" von 1998 lief in 2:06:05 Stunden in Berlin ebenfalls sensationell den Schlussabschnitt im Alleingang.

Den besten Schlusssprint legte bisher allerdings der Kenianer Geoffrey Mutai hin. Beim Eindhoven Marathon 2009 hämmerte er die letzten 2,195 Kilometer in nahezu unglaublichen 6:05 Minuten herunter! Schon 2008 zertrümmerte er dort mit 6:10 Minuten regelrecht die Konkurrenz im Finale. Das Potential des 28-Jährigen scheint damit noch nicht ausgereizt, denn gleichmäßiger laufend müsste er über die Gesamtstrecke noch deutlich schneller sein. Das tat er dann auch beim Rotterdam Marathon 2010, wo er mit einem schnellen Schlussabschnitt von "nur" 6:17 auf immerhin 2:04:55 Stunden lief. Doch in diesem Rennen fand der Spurterkönig seinen Meister im Halbmarathon Spezialisten Patrick Makau, der mit 6:10 auf den letzten 2,195 Kilometern noch schneller war und in 2:04:48 Stunden siegte. Vom eigentlich marathonunerfahrenen Makau kann man in einem gleichmäßigen Rennen noch etwas erwarten... vielleicht sogar den Weltrekord (...was er in Berlin 2011 dann auch in 2:03:38 Stunden schaffte s.u.)! Geoffrey Mutai bestach auch auf kürzeren Distanzen mit seinem sensationellen Finale. So knöpfte er bei den Crossmeisterschaften in Kenia 2011 der ultrastarken Konkurrenz ganze 35 Sekunden über die letzten 2.000 Meter ab! In Boston 2011 zeigte Mutai dann was er kann, allerdings windunterstützt. Er lief mit 2:03:02 Stunden die schnellste je gelaufene Marathonzeit. Patrick Makau dagegen verbesserte "legal" wie vorhergesagt den Weltrekord in Berlin 2011 auf offiziell gültige 2:03:38 Stunden. Der zweifache Frankfurt Marathonsieger Wilson Kipsang war fortan der beste Finalist: Erst verfehlte er 2011 mit 6:12 Minuten den Weltrekord in Frankfurt um knappe vier Sekunden, um dann 2013 in Berlin mit 6:11 Minuten den Sack am Ende zu zu machen (Weltrekord in 2:03:23 Stunden). Auch in London 2014 flog er im Finale in 6:17 Minuten zum Sieg.

Bei den Frauen wundert es nicht, dass Paula Radcliffe gleich mehrfach vertreten ist. Allerdings hätte ihr Irina Mikitenko in Berlin 2008 bei ihrem starken Finale beinahe den ersten Rang abgelaufen. Aber eine war noch schneller. Die Russin Liliya Shobukhova rannte beim Chicago Marathon 2009, wo sie Irina Mikitenko im Finale regelrecht deklassierte, fast unglaubliche 6:36 Minuten *, eine Zeit, die wenige Elite-Männer normalerweise unterbieten könnnen. Das deutete natürlich darauf hin, dass sie eigentlich viel schneller Marathon laufen kann. Beim London Marathon 2010 gewann die Russin dann auch in einer viel schnelleren Zeit von 2:22:00 Stunden, aber immer noch mit dem zweitschnellsten Finale aller Zeiten in 6:53 Minuten und 2011 lief sie in Chicago den letzten Abschnitt nur minimal schneller, allerdings diesmal ihre Bestzeit mit 2:18:20 Stunden. Zweimal legte die Kenianerin Rita Jeptoo in Boston 2013 und 2014 hin. Mit jeweils 6:51 Minuten deklassierte sie die Konkurrenz und war fast so schnell wie die Männer im Finale.

* Liliya Shobukhova wurde am 29.4.2014 des Dopings überführt und alle Leistungen ab 2009 gestrichen...

Hier die mir bekannten schnellsten Endzeiten in min:sec von 40km bis zum Ziel:

Männer:

6:05 Geoffrey Mutai (Eindhoven 2009, 2:07:01) = 2:46,3 min / km !
6:08 Kenenisa Bekele
(Berlin 2016, 2:03:03)
6:10 Ronaldo da Costa (Berlin 1998, 2:06:05) Weltrekord!
6:10 Geoffrey Mutai
(Eindhoven, 2008, 2:07:50)
6:10 Patrick Makau
(Rotterdam 2010, 2:04:48)
6:11 Wilson Kipsang (Berlin 2013, 2:03:23) Weltrekord!
6:11 Wilson Kipsang (New York 2014, 2:10:59)
6:12 Wilson Kipsang
(Frankfurt 2010, 2:04:57)
6:13 Eliud Kipchoge (London 2015, 2:04:42)
6:14 Wilfred Kigen
(Frankfurt 2005, 2:08:29)
6:14 Geoffrey Mutai (Boston 2011, 2:03:02, inoffiziell, da rückenwindbegünstigt)
6:16 Martin Lel (
London 2008, 2:05:15)
6:16 Ayele Abshero (Dubai 2012, 2:04:23)
6:16 Tesfaye Abera (Dubai 2016, 2:04:24)
6:16 Eliud Kipchoge (London 2016, 2:03:05)
6:17 Paul Tergat (Berlin 2003, 2:04:55) Weltrekord!
6:17 Tesgaye Kebede (Fukuoka 2009, 2:05:18)
6:17
Wilson Kipsang (London 2014, 2:04:29)
6:17 Geoffrey Mutai (Rotterdam 2010, 2:04:55)
6:18 Sammy Korir (Berlin 2003, 2:04:56)
6:18 Wilfred Kigen (
Frankfurt 2007, 2:07:58)
6:18 Moses Mosop (Boston 2011, 2:03:06, inoffiziell, da rückenwindbegünstigt)
6:18 Eliud Kipchoge (Chicago 2014, 2:04:11)
6:18 Wilson Kipsang (Berlin 2016, 2:03:03)
6:18 Wilson Kipsang (London 2015, 2:04:47)
6:19 Haile Gebrselassie (Berlin 2007, 2:04:26)
6:20 Wilson Kipsang (Lake Biwa 2011, 2:06:13)
6:20 Eliud Kipchoge (Rio de Janeiro 2016, OS 2:08:44)
6:21 Philip Kimutai Sanga (Eindhoven 2009, 2:08:06)
6:22 Geoffrey Mutai (
New York 2011, 2:05:06)
6:23 Patrick Makau (
Berlin 2010, 2:05:08)
6:23 Patrick Makau (Berlin 2011, 2:03:38) Weltrekord!
6:25 Haile Gebrselassie (Berlin 2008, 2:03:59) Weltrekord!
6:25 Samuel Wanjiru (
London 2008, 2:05:24)
6:25 Tsegaye Kebede (Fukuoka 2008, 2:06:10)

Frauen:

6:36 Liliya Shobukova (Chicago 2009 2:25:56) = 3:00,1 min / km ! (Doping)
6:51 Mary Kaitany
(
London 2012, 2:18:37)
6:51 Rita Jeptoo (Boston 2013, 2:26:25)
(Doping)
6:51 Rita Jeptoo (Boston 2014, 2:18:57) (Doping)
6:52 Liliya Shobukova (Chicago 2011 2:18:20) (Doping)
6:53 Liliya Shobukova (London 2010 2:22:00) (Doping)
6:56 Paula Radcliffe (London 2003 2:15:25) Weltrekord!
6:57 Irina Mikitenko
(
Berlin 2008 2:19:19)
6:57 Mare Dibaba 
(WM Peking 2015 2:27:35)
6:57 Helah Kiprop (WM Peking 2015 2:27:36)
7:00 Eunice Jepkirui Kirwa (WM Peking 2015 2:27:39)
7:01 Liliya Shobukova (London 2011 2:20:15) (Doping)
7:02 Jemima Sumgong (Rio de Janeiro 2016, OS 2:24:04)
7:04 Aselefech Mergia (Dubai 2012, 2:04:23)
7:04 Jemima Jelagat Sumgong (WM Peking 2015 2:27:42)
7:05 Xue Bai (WM Berlin 2009 2:25:15)
7:06 Tirunesh Dibaba
(London 2017 2:17:56)
7:07 Dire Tune (Boston 2008 2:25:25)
7:07 Irina Mikitenko (
London 2008 2:24:14)
7:07 Lucy Wangui Kabuu (Dubai 2012, 2:04:23)
7:10 Paula Radcliffe (Chicago 2002 2:17:18) Weltrekord!
7:10 Irina Mikitenko (
Chicago 2009 2:26:31)
7:10 Tigist Tufa (London 2015 2:23:22)
7:11 Inga Abitova (London 2010) 2:22:19)
7:12 Mary Kaitany (London 2011, 2:19:19)
7:15
Chunxiu Zhou (London 2007 2:20:38)
7:15 Yoshimi Ozaki (
WM Berlin 2009 2:25:25)
7:16 Paula Radcliffe (London 2005 2:17:42)
7:16 Tiki Gelana (
Amsterdam 2011 2:22:08)

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